Die spannendeste Frage gerade für mich –
Und der Versuch einer Antwort

Unser neuer Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat letztens in einer Pressekonferenz vom „Vor-Pandemischen Zeitalter“ gesprochen. Und obwohl ich seinen Aussagen ansonsten nicht so viel Gehör schenke, fand ich diese gewaltige Wortwahl sehr zutreffend. Denn wir alle spüren ja, dass wir tatsächlich in ein neues, in ein „pandemisches“ Zeitalter eingetreten sind, in dem wir Dinge erleben, die wir uns vor 2 Jahren noch nicht im Traum hätten vorstellen können.

Zu Beginn dieses „Zeitalters“, im Februar und März 2020, war ich noch der Meinung, dass tatsächlich ein sehr gefährliches, tödliches Virus um die Welt geht. Wir sagten damals aus Vorsichtsgründen unter anderem den Besuch der Frankfurter Messe Ambiente mit unseren Mitarbeiterinnen ab, zu der 500 Aussteller aus China angereist kamen und wir verkauften als einer der ersten Läden handgenähte Masken aus Tirol, aus Bio-Baumwolle mit dem aufgestickten Schriftzug „Liebe.“ Ich wollte zu dieser Zeit auf jeden Fall meinen Beitrag dazu leisten, dass sich dieser Virus nicht weiter ausbreiten könnte und dachte, dass bei entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen die ganze Sache in max. 4 Wochen vorbei wäre.

Das war ein Trugschluss und mir fielen plötzlich immer mehr Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten in der Reaktion der Verantwortlichen auf dieses Virus auf, die ich nicht nachvollziehen konnte. Zahlen und Presseberichte, die nicht stimmig waren, eine ungeheure Angst-und Panik-Propaganda, einhergehend mit einer nie zuvor dagewesenen Auslöschung des gesamten öffentlichen und privaten Lebens. Und das in einer medizinischen Situation, die nach meinem Dafürhalten eigentlich keine größeren Auswirkungen hatte als in anderen, starken Grippewintern, die ich auch früher schon in der Bevölkerung, im Krankenhaus und auf den Intensivstationen erlebt hatte.

Ich fing an zu zweifeln, ob all das mit rechten Dingen zugeht. Aus meinem Verständnis als langjährige Intensiv-Krankenschwester, die auch gelernt hatte, mit Viren und Bakterien umzugehen – was übrigens zwei vollkommen verschiedene Dinge sind –  konnte ich viele der Maßnahmen und Regeln aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehen – bis heute nicht.

Früher hatte ich mich nie groß für Politik bzw. für Gesundheitspolitik interessiert und war immer selbstverständlich davon ausgegangen, dass die verantwortlichen Institutionen und Politiker einen guten, wahrhaftigen, vom Bemühen um gute Lösungen getragenen Job zum Wohle ihres Volkes machten.

Im Laufe der letzten zwei Jahre geriet dieser Glaube in mir nach und nach ins Wanken und ist nun – bis auf wenige Ausnahmen – praktisch nicht mehr vorhanden.

 

Die Frage, die mich seit 2 Jahren umtreibt

So wie ich es hier beschrieben habe, ging und geht es heute vielen Menschen. Die Allermeisten jedoch glauben nach wie vor, dass unsere Regierung und die „Hintermänner“ es nur gut meinen, dass sie von der Presse ausgewogen informiert werden und sie akzeptieren jede noch so unmenschliche Maßnahme und persönliche Einschränkung als sinnvoll. Sie sehen keinen Grund, der Regierung, den Institutionen, der Presse und den „Wissenschaftlern“, die diese ganze Situation managen, zu misstrauen.

Seit Beginn dieser ganzen schwerwiegenden Veränderungen spüre ich schon der Frage nach, wieso die Mehrheit der Menschen all das, was wir jetzt seit zwei Jahren erleben, bereitwillig mitmacht bzw. an den Sinn glaubt und andere nicht.

Alle Erklärungen, die oft herangezogen werden, greifen meines Erachtens nicht. Das Für und Wider, das Pro und Contra geht quer durch alle Altersgruppen, quer durch alle Einkommensstufen, quer durch alle Bildungsstufen, durch alle Berufe, quer durch die „spirituelle Szene“, Nationalitäten, Männer und Frauen.

Auch die Angst vor dem Tod, die dafür verantwortlich sein könnte, dass Menschen sich all den oft nicht mehr nachvollziehbaren  Verhaltensregeln unterworfen haben und weiterhin unterwerfen, kann nicht der alleinige Grund sein – denn Menschen, die Angst vor einer  „Impfung“ haben und sich deshalb nicht impfen lassen, haben genauso Angst vor dem Tod.

Was also ist es, dass unsere Meinungen so sehr trennt, dass wir uns gegenseitig nicht mehr von einer anderen Ansicht überzeugen können? Was bewirkt, dass wir den Zugang zu andersdenkenden Menschen verloren haben, sie nicht mehr wiederzuerkennen glauben und uns auf so sehr verschiedene Wege begeben haben, dass eine tiefere Begegnung oft nicht mehr möglich scheint? Fast so als wären wir eine andere Art Mensch und sprächen und verstünden nicht mehr dieselbe Sprache.
Seit nun bald 2 Jahren denke ich darüber nach, was dafür die Ursache sein könnte und es beschäftigt mich sehr – ja, es ist die einzig wirklich spannende Frage für mich in dieser Zeit.

 

Der Schlüssel liegt in der Kindheit

Eine Antwort auf diese Frage habe ich für mich im Laufe der letzten zwei Jahre durch meine Tätigkeit als Therapeutin gewonnen, in der ich in fast 2000 Sitzungen vielen Menschen einen Zugang zu den Geschehnissen in ihrer Kindheit ermöglichen durfte und sie zu einem bewussten Wahrnehmen, tieferen Verständnis und vor allem Fühlen des damals Erlebten angeleitet habe.

Die Kindheit liegt bei den meisten Menschen immer noch in tiefem, verborgenem Dunkel und doch steuert sie unbewusst all unser Denken, Fühlen und Handeln als Erwachsene. Sie ist für mich der wichtigste Schlüssel zu einem tieferen Verständnis unserer Lebenswirklichkeit und nur über das bewusste Wahrnehmen, Annehmen, Fühlen und Heilen der Verletzungen, die wir in unserer Kindheit erfahren haben, sind wirkliche Veränderungen in Menschen als auch in der ganzen Gesellschaft möglich.
Wenn wir diese Vergangenheits – Heilung nicht vollziehen, bleiben wir in der Angst, in Schuldzuweisungen und der Verantwortungslosigkeit gefangen und drehen uns an der Oberfläche im Kreis mit den immer gleichen Lebens- und Gesellschaftsthemen.

 

Du sollst nicht merken…

In sehr vielen Erst-Sitzungen, in denen Menschen mir von ihrer Kindheit erzählen, berichten sie oft fast etwas ratlos, dass sie jetzt gar nichts so furchtbar Schlimmes erlebt hätten und ihre Kindheit eigentlich ganz „normal“ gewesen sei. Eben so wie bei allen anderen auch.
Und das ist dann schon der erste „faule Zahn“, den wir uns selbst ziehen müssen, wenn wir wirklich Veränderungen in Richtung Wahrheit bewirken wollen.
Denn niemand von uns hat wirklich ausschließlich liebevolle, zugewandte, mitfühlende, stärkende und zulassende Eltern erlebt.
Meist ganz im Gegenteil. Sonst säße der Mensch schließlich nicht hier vor mir.

Die wenigsten Menschen können sich bis heute vorstellen bzw. sich eingestehen, dass es bei den ganzen Erziehungsmaßnahmen, Strafen, Vorschriften und „Behandlungen“, die wir fast alle durch unsere Eltern erfahren haben, nicht etwa darum ging, das Beste für sie selbst, das damalige Kind, zu bewirken. Nein, es geht bei all den Regeln, Bestrafungen oder Liebesentzügen, die wir erfahren haben, in erster Linie um das Wohl der Eltern. Du hast das ganze Programm erfüllen müssen, weil deine Eltern versucht haben, klarzukommen. Mit dir, mit sich selbst, mit ihrem Partner, mit ihren Eltern und mit der Gesellschaft. Und dazu haben sie dich instrumentalisiert. Bewusst oder meistens unbewusst.

Viele Menschen berichten zum Beispiel, dass ihre Eltern ihnen auftrugen, sich so oder so zu verhalten, damit die Menschen außerhalb der Familie „nichts merken“ oder die Familie nach außen tadellos dasteht. Meist gibt es da viele ungeschriebene Gesetze in Familien, die ein Kind sehr gut spürt und wo nicht einmal mehr Worte fallen müssen. Hier spielt die Angst der Eltern vor Ablehnung oder nicht Dazugehören eine wichtige Rolle. Es geht sehr oft um das Ansehen von Außen, für das dann die Eltern die natürlichen, lebendigen Bedürfnisse eines Kindes geopfert haben bzw. unter Strafe gestellt haben. Das ist sehr vielen von uns so passiert.

 

Die eigentliche Tragik der Kindheit

Eltern handeln – auch wenn damit vielleicht das Tabu von natürlicherweise fürsorglichen Vätern und Müttern gebrochen wird – mehr oder weniger unbewusst meist aus egoistischen wenn nicht sogar narzisstischen Gründen. Weil sie selbst verletzte, hungernde Kinder in sich tragen, weil sie es nicht besser wissen und weil sie sich selbst retten wollen. Als Kind sind wir der Übermacht der Eltern hilflos ausgesetzt, weil wir wehrlos sind. Und weil wir noch nicht wirklich begreifen können, was da mit uns geschieht.

Die eigentliche Tragik der Kindheit liegt darin, dass wir als Kinder auf der einen Seite zwar irgendwie instinktmäßig spüren, dass das, was wir in diesen frühen Jahren erleben, nicht gut für unsere natürliche Entwicklung ist, aber da wir keinerlei Alternativen kennen, denken wir auf der anderen Seite, es wäre so, wie wir es erleben richtig und es müsste so sein. Und diesen Glauben nehmen wir, wenn wir ihn nicht irgendwann im Leben aufdecken, mit in unser ganzes Erwachsenen-Dasein und lassen ihn unser Leben bestimmen.

Ein Kind, welches von seinen Eltern nicht so behandelt wird, wie es für sein seelisches Wohlergehen und seine Entwicklung wichtig ist – und das wurden wir wie gesagt alle nicht, wir alle sind auf die ein oder andere Weise traumatisiert worden – kann es sich nicht leisten zu realisieren, dass seine Eltern es nicht gut mit ihm gemeint haben. Es ist für sein seelisches Überleben zwingend notwendig, sich ein liebevolles Elternhaus vorzustellen, weil sein Überleben völlig von diesen Eltern abhängt. Es kann nicht einfach woanders hingehen. Wenn es realisieren würde, dass sein Leben von Menschen abhängt, die es eigentlich nicht gut mit ihm meinen, würde es verrückt werden.

Daher halten so viele Kinder und später Erwachsene das Bild von ihren guten Eltern aufrecht und setzen sich selbst in die Rolle des Falschen und Bösen. Glaubenssätze, die in der Kindheit geprägt wurden wie: „Ich bin nicht gut genug“, „Ich bin es nicht wert“ oder „Ich bin nicht liebenswert“ kommen immer im Coachingverlauf ans Licht und bestimmen bis heute – oft unerkannt – das Leben der meisten Menschen.

 

Wie wir uns seelisch schützen

Diese seelische Überlebenstaktik, sich selbst als der oder die Falsche zu sehen und zu fühlen, gibt dem Kind die Möglichkeit einer Handlung, einer vermeintlichen Selbstbestimmung. Nämlich sich zu bemühen, „Gut“ zu werden, mit allen Einschränkungen der natürlichen, kindlichen Bedürfnisse, die mit diesem Bemühen verbunden sind. Nur damit die Eltern zufrieden mit ihm sind und ihm das schenken, was es so dringend braucht: Anerkennung und liebevolle Aufmerksamkeit.
Das Kind schützt die Bindung zu den „bösen“ Eltern, denn wenn es sich unterwirft und sich nicht mehr wehrt, hat es weniger Strafen und den Entzug der lebensnotwendigen Zuwendung zu befürchten.
Solche und ähnliche Szenarien spielen sich in fast allen Kindheiten ab.

Im Erwachsenenleben setzen sich dann solche Beziehungskonstellationen fort, sie müssen praktisch aufrechterhalten werden, weil es für uns unglaublich schmerzhaft ist, uns eingestehen zu müssen, dass die Eltern (oder Institutionen, die sie gewissermaßen repräsentieren, wie Politiker oder Menschen, die es angeblich besser wissen als man selbst) nicht unserer Vorstellung von allwissenden, schützenden Wesen entsprechen. Und dass sie uns womöglich, auch ohne es vielleicht bewusst zu wollen, Schaden zugefügt haben oder Schaden zufügen.

So wie für das Kind ist diese Erkenntnis auch für einen Erwachsenen, in dem die kindlichen Muster weiter wirken, kaum aushaltbar. Es würde ein ganzes Weltbild zusammenbrechen, der Halt würde verloren gehen und man stände vor einem riesigen Scherbenhaufen. Der Schmerz darüber kann so groß und unaushaltbar sein, dass sich viele ihr ganzes Leben lang davor schützen und die Wahrheit nie erkennen können.

Und es ist auch unmöglich, diese Erkenntnis von außen zu vermitteln, solange die Seele uns davor schützen möchte. Ich kann in einem Coaching zwar diese Zusammenhänge am Anfang erklären, aber solange ein Mensch nicht an dem Punkt ist, diesen Schmerz fühlend auszuhalten und durch ihn hindurch zu gehen, ist er noch nicht reif dafür.

Und wird es vielleicht auch nie sein. Das trifft meines Erachtens auf den größten Teil der Menschen zu.
Sie können bzw. wollen nicht erkennen, was die Stellvertreter der Eltern, die Vorgesetzten und Machthaber wirklich tun und was sie eigentlich antreibt. Sie schützen sie „um jeden Preis“, weil sie unbewusst immer noch glauben, – so wie in der Kindheit – dass sie ihnen sowieso überlegen sind, dass sie total von ihrer Gunst abhängig sind und dass sie schon wissen, was sie tun und man selbst sowieso nichts tun kann. So wie in der Kindheit das Kind den Eltern geglaubt hat, das sie es schon richtig so machen.

Alles geschieht aus Angst heraus und der Vermeidung des Erkenntnisschmerzes. Und dafür kann man niemandem einen Vorwurf machen, genausowenig wie man Kindern vorwerfen kann, noch nicht erwachsen zu sein.

 

Wenn der Schmerz zu groß wird

Manche Menschen haben diesen Erkenntnis-Schmerz  schon sehr deutlich in ihrer Kindheit spüren müssen, wenn der Druck durch seelische und körperliche Gewalt – und dazu zähle ich auch eine „einfache“ Ohrfeige – oder die Verwerfungen in der Familie zu groß waren, als dass man die Illusion der fürsorgenden, schützenden Eltern hätte aufrechterhalten können. Oder sie erfahren ihn später als Erwachsene, wenn das Leben uns an die Grenzen der Illusion führt. Denn dieses Klein- und Schuldigmachen unserer Selbst zugunsten der Vorstellung von liebevollen Eltern hat zur Folge, dass die unterdrückte, verleugnete Wut, Aggression und Traurigkeit in unserem Körper irgendwo hin muss und sich dann in Form von psychischen oder körperlichen Symptomen und Krankheiten manifestiert.

Solche Menschen haben oft Brüche oder Erlebnisse in der Kindheit gehabt, die Narben hinterlassen haben und die ihnen den Glauben an ein schützendes, wohlwollendes Elternhaus genommen haben. Und nach meiner Beobachtung sind das genau die Menschen, die auch jetzt den Regierungen und Machthabern misstrauen. Diese Menschen sind praktisch irgendwann gezwungen, den Halt und die Sicherheit nicht mehr bei Anderen zu suchen, sondern die Wahrheit in sich selbst zu finden oder dort, wo sie sie als solche erkennen.

Es ist der wichtigste Teil jeder meiner therapeutischen Begleitungen von Menschen, im Laufe der fortschreitenden Erkenntnis die Eltern von damals vom Sockel der Verherrlichung zu stoßen und die ganze aufgestaute kindliche Wut und oft auch den Haß, die Hilflosigkeit, die Ohnmacht, die Trauer und die meist großen Schuld- und Schamgefühle zuzulassen und sie erlaubend und mitfühlend in sich selbst zu spüren.

In dem Moment, wo wir uns der ganzen Wahrheit gefühlt bewusst werden, bricht eine Welt zusammen, die Welt der Illusion. Damit dieser Vorgang nicht nur zerstörend, sondern heilend erlebt werden kann, bedarf es oft einer liebevollen, verstehenden, wissenden Begleitung und vor allem der Entwicklung des eigenen, zutiefst sich selbst zugewandten Mitgefühls.

Wenn wir mit diesem tiefen Mitgefühl mit dem Kind in uns – und damit auch in uns – diese schmerzhaften Gefühle annehmen und erlauben, können wir durch das Tor der Befreiung gehen.
Die Befreiung aus den kindlichen Illusionen. Das Kind kann dann erwachsen werden, frei werden, selbstbestimmt und selbstverantwortlich denken, fühlen und handeln. Jetzt kannst du dich entfalten und es gibt Raum und Weite für neue Sichtweisen, Ideen, Leben ohne Abhängigkeit von den Vorgaben der Eltern oder Personen, die sie verkörpern.

 

Du kannst niemanden von deiner Meinung überzeugen

Das ganze Leid auf der Welt beruht meines Erachtens darauf, das die meisten Menschen noch nicht aus ihren frühkindlichen Verhaltensweisen herausgefunden haben. Zu diesem für mich so spannenden Thema, das auch andere Forschende schon ähnlich beleuchtet haben, könnte ich noch so viel sagen und weiterschreiben.
Dies ist jedenfalls in den Grundzügen meine Ansicht – um auf die Eingangs gestellte Frage zurückzukommen – warum wir so unterschiedlich auf die jetzigen Verhältnisse reagieren und warum es unmöglich ist, jemanden mit einer anderen Einstellung dazu mit irgendetwas vom Gegenteil überzeugen zu können.

Auf diesen tieferen Ursachen beruht auch die vielbeschworene Spaltung der Gesellschaft, die in jedem Menschen selbst liegt.  Wir sind eben nicht alle gleich, wir haben unterschiedliche Erfahrungen und Entwicklungen durchgemacht und alles, was wir tun können, ist Verständnis und Mitgefühl füreinander zu entwickeln. Aufeinander einzureden, sich zu verurteilen und die gegenteiligen Meinungen aufeinander prallen zu lassen, kann nicht funktionieren. Denn es geht ja gar nicht um Meinungen, sondern um tiefe, innere Prägungen, auf Grund derer jemand so handelt wie er handelt. Und die kann er nur selbst verändern.

Wir alle haben Kindheiten erlebt, die Verletzungen und Entwicklungstraumen mit sich brachten, egal ob wir heute Politiker, Ärzte, Wissenschaftler, Machthaber, reich oder arm, gebildet oder ungebildet sind. Nach meiner Erfahrung waren die Verletzungen in reichen oder sogenannten Akademikerfamilien sogar oft noch größer und wurden noch mehr tabuisiert – mit allen negativen Folgen für das Kind.

Wie bewusst oder Selbst-Bewusst wir heute mit den Dingen umgehen, die wir gerade erleben, hängt davon ab, ob wir den Schmerz dieser Verletzungen in uns schon gespürt haben oder ihm (noch) nicht begegnen wollen oder können.
Das macht einen großen Unterschied im inneren Erleben.

Ich persönlich fühle mich schon immer zu Menschen mit „Brüchen“ hingezogen, denn auch ich habe viele solcher Brüche in meinem Leben erlebt. Und ich empfinde diese Zeit als große Chance für jeden Menschen, sich seiner selbst bewusst zu werden, sich aus den alten, begrenzenden Kindheitsmustern herauszuentwickeln und seinen Teil zu  liebevolleren, wertschätzenderen, mitfühlenderen und freilassenden Begegnungen und Gemeinschaften beizutragen.

Die Welt und die Menschen haben es dringend nötig und ich habe die Hoffnung und sehe, dass es jetzt viele solcher wunderbaren Veränderungen gibt. Und dass das vielleicht auch der Sinn dieser Zeit ist.

In Liebe, Wertschätzung und Mitgefühl
für die verletzten Kinder in allen Menschen

4 Kommentare zu: “Die spannendeste Frage gerade für mich –
Und der Versuch einer Antwort”

  1. Susanna Gantner

    Liebe Eva,
    Es gefällt mir sehr gut, wie du die Dinge beschreibst und dich ausdrückst. Im Familienstellen, ich praktiziere Energetisches Familienstellen, erlebe ich es genauso. Ich stimme also deinen Ausführungen fast voll und ganz zu.
    Meines Erachtens kommt noch die feinstoffliche Dimension dazu. Und damit verbunden die Angst vor dem Tod, die einen gegenständlich denkenden Menschen manipulier- und erpressbar macht. Auch sehr Religiöse sind oft noch tief im gegenständlichen Denken verhaftet. Wer den Tod lediglich als einen Übergang in eine andere Dimension sieht, wovor man keine Angst zu haben braucht, kann ihm gelassener in die Augen schauen. In den letzten paar hundert Jahren der Menschheitsentwicklung ging diese Sichtweise immer mehr verloren und damit das Vertrauen in die geistige Welt und auch in sich selbst. Der entscheidende Punkt für die Spaltung ist für mich diese Angst vor dem Tod – ob sie uns bestimmt oder nicht.

  2. Edeltraud

    Liebe Eva,
    lieben Dank dass du deine Gedanken und deine Meinung mit uns teilst.
    Ich glaube aber auch, daß sich viele Menschen gar nicht groß Gedanken darüber machen, dass sie einfach weiterleben wollen wie vorher und sich deshalb gerne die zwei bis vier Pikse abholen. Ich wollte mit Freunden gerne den einen oder anderen Bericht von Prof. Schubert oder Herrn Ganser oder Herrn Wodarg besprechen. Viel zu unbequem sich das anzuhören.
    Außerdem übt die Angst vor dem Tod, die ja auch mächtig geschürt wurde, so große Macht aus, dass das Hirn völlig ausgeschaltet wird und nur die Impfung helfen kann. Schon Hitler und Göbbels haben sich dieser Macht bedient.

  3. Edgar Giegerich

    Hallo Frau Adelberger, es ist wohl das beste was ich als Erklärung zu dieser Zeit gelesen habe. Jetzt verstehe ich einiges und es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Als Nachkriegsgeneration (1954) müssen wir uns dieser Frage stellen. Unsere Eltern haben die ganze Dramatik dieses Krieges erlebt. Jetzt könnte man sagen sie haben es so nicht gewollt, und doch sie haben es zugelassen im Kollektiv. Wir haben die seelische Verkrüppelung unserer Eltern übernommen und viele haben sie bis Heute nicht hinterfragt. Meinen Vater habe ich vom Sockel gestoßen, schon lange, und deshalb bin ich jetzt im Wiederstand. Was da von oben Propagiert wird konnte ich von Anfang an nicht glauben. Grüße aus Mömlingen.

  4. Lela

    Liebe Eva, erstmal danke für deine Mail( Newsletter). Kann sein dass viele eben durch die Kindheit sich so verhalten, das weiß ich nicht. Ich habe vielleicht als eine der wenigen eine schöne und liebevolle Kindheit in Rumänien gehabt. Die liebste Mama gehabt die nur für mich da war, mein Vater nur abends gesehen. Der war zwar streng aber die Liebe meiner Mama hat alles kompensiert. Meine 2 Kinder habe ich genauso erzogen.

    Als in März 2020 alles anfing haben mein Mann und ich gesagt wir fahren in unser zweites Zuhause nach Kroatien und das war gut so! Wir hatten noch nie Angst um diesen Virus gehabt, klingt vielleicht blöd aber wir sagten damals schon es ist wie eine Grippe, was manche „Freunde“ verneinten und uns für blöd halten!
    Da wir in Rente sind haben wir auch Zeit viel darüber zu lesen und unser Verstand einzuschalten.
    Herzliche Grüße Michaela

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