Wie wir tiefe Verzweiflung überwinden und Zuversicht finden können

Letztens hatte ich ein erstes Telefon-Coaching mit einer Klientin, das mich sehr berührt und beschäftigt hat.
Ich habe immer öfter Klienten, die schon psychosomatische Kliniken, Gespächs- und Verhaltenstherapien durchlaufen haben oder Psychopharma verordnet bekamen und denen es damit oder danach nicht sehr viel besser ergangen ist. Nach wie vor fühlen sie sich hilflos, unverstanden, alleingelassen und ihre Probleme sind nicht gelöst.  In der Regel wurde ihnen die Diagnose bzw. der sogenannte Name ihrer „Störung“ mitgeteilt, aber sie fühlen sich damit oft so, als ob ihnen ein Stempel wie ein Makel aufgedrückt wurde. Sie fühlen sich dann zwar darin bestätigt, dass etwas mit ihnen nicht in Ordnung ist, aber das allein ist ja noch keine Hilfe. In vielen Fällen, die ich kenne, hat ihnen niemand die Ursachen ihrer Probleme wirklich erklärt und warum und wie sie in diesen Zustand geraten sind. Und noch weniger können sie einen Weg hinaus erkennen.

Natürlich gibt es auch viele Menschen, die wertvolle Hilfe erfahren haben und sehr profitiert haben von all den gängigen Methoden und Hilfsangeboten und ich bin auch sehr sicher, dass all die Therapeuten, Ärzte und Helfenden ihr Allerbestes geben. Ich kenne auch viele, denen es damit wirklich besser ging und ich freue mich jedesmal darüber.
Doch im Fall dieser Klientin war es anders. Sie war verzweifelt, dass sie nun all die ihr angebotenen Möglichkeiten durchlaufen hatte und sich nichts entscheidendes verändert hatte. Ihre Angst war immer noch da und sogar noch größer geworden. Ihre Therapeuten hatten ihr mitgeteilt, dass sie nichts mehr für sie tun könnten.

 

Wie du das Schicksal wenden kannst

Aus klinisch-psychologischer Sicht darf ich natürlich so einen Fall wie den meiner Klientin nicht beurteilen, denn ich habe kein medizinisches oder psychologisches Studium absolviert und auch keine psych. Heilpraktiker-Ausbildung. Somit darf ich keine Diagnosen stellen und keine Heilversprechen geben und nur beratend tätig sein. Aber ich habe mein Herz und das hat hier wieder gespürt, wie verzweifelt und hilflos Menschen sich fühlen, die glauben, sie wären verloren, weil ihnen niemand mehr helfen kann.

Ich kenne diesen Zustand selbst aus dunklen, vergangenen Zeiten, in denen ich nirgendwo mehr Halt fand, mich schon aufgegeben hatte und kurz davor war, mich selbst ins Jenseits zu befördern. Doch genau das Aufgeben, das nicht mehr kämpfen können und wollen und der eigentlich deprimierende Gedanke „Ich kann jetzt nichts mehr tun“, hat damals eine Wende in meinem Leben eingeleitet. Ich spürte, so konnte und wollte ich nicht weiterleben und ich war zu dieser Zeit wirklich bereit, zu gehen. An diesem Punkt habe ich mein Schicksal einfach abgegeben, in die Hände irgendeiner höheren Macht gelegt, die ich nicht kannte und von der ich einfach hoffte, dass sie da wäre. Ich wusste nicht mehr weiter und war mit meiner Kraft am Ende. Jetzt musste es jemand anders richten.
Und erst dann, als ich aufhörte, diesen verzweifelten Überlebenskampf zu führen, wurde es ruhig in mir. Und erst in dieser Ruhe konnte ich spüren, dass da tatsächlich noch etwas anderes ist, eine höhere Macht, in deren Händen die Heilung liegt, zu der ich aus mir selbst heraus nicht fähig war. Etwas, das mich trägt und nur das Beste für mich will. Eine höhere Weisheit, deren Führung ich mich anvertrauen konnte, auch wenn ich damals noch nicht verstand, warum das alles so geschah.

 

Das Wagnis, einfach loszulassen

Der heute populäre Begriff für das Übergeben seines Schicksals heißt ja „Loslassen“. Und das erfordert Mut in einer Zeit, die viele Menschen verunsichert und in der sie deshalb geneigt sind, Dinge, Menschen oder Zustände festzuhalten. Durch die immer mehr fortschreitende Technisierung unserer Welt wird uns suggeriert, dass wir alles steuern und beeinflussen können. Dass wir selbst die Macher unseres Glücks und Erfolgs sein können – wenn wir uns nur genügend anstrengen und dafür arbeiten. Die Begriffe „Loslassen“ und „Einfach geschehen lassen“ kommen uns in unseren modernen Zeiten schon irgendwie märchenhaft altmodisch vor. Und doch ist es genau das, wonach wir uns im Grunde alle sehnen.

Wir haben verlernt, einfach mal loszulassen und uns in das Gefühl hinein zu entspannen, in der Verbundenheit und Geborgenheit einer uns bedingungslos liebenden Kraft aufgehoben zu sein. Dabei brauchen wir dieses Geborgenheitsgefühl heute nötiger denn je. Es ist ein Trugschluss, dass wir alles steuern und beeinflussen könnten, dass wir alles selbst schaffen und leisten müssten. Im Gegenteil: Du darfst Dinge auch einfach auch mal abgeben und darauf vertrauen, dass du auf einem guten Weg geleitet werden wirst und sich alles so fügen wird, dass es zu deinem Besten ist. Und wenn du das noch nicht kannst und dich immer weiter dem Druck beugst oder aussetzt, wird das Leben selbst irgendwann dafür sorgen, dass du zu dieser Erkenntnis kommst, sei es durch einen Burnout, eine ausweglos erscheinende Situation oder eine Erkrankung.

 

Zuversicht lässt sich lernen

Genau dieser Druck, der scheinbar von außen kommt, führt zu Zuständen wie dem meiner Klientin am Telefon. In Wirklichkeit setzen wir uns aber selbst diesem Druck aus und glauben, wir hätten keine Wahl. Viele von uns stecken noch in den Ohnmachts- und Hilflosigkeits-Erfahrungen ihrer Kindheit fest und haben nie gelernt, auf ihr Herz zu hören und liebevolle Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Und so eine Entscheidung kann auch sein, den Mut zu finden, loszulassen. Andere Dinge zu wagen und darauf zu vertrauen, dass das Leben es gut mit uns meint und uns alles schenkt, was unserer Entwicklung und unserem Lebensglück dient. Dieser Gedanke nimmt soviel Druck und Schwere von uns und lässt soviel Frieden und Erleichterung einkehren.

Ich möchte den Menschen, die zu mir finden, Mut machen, einen neuen Weg zu wagen und ihnen Möglichkeiten an die Hand geben, wie sie eine neue Zuversicht in sich wachsen lassen können. Denn das braucht es heute dringender denn je. Und es ist möglich, wir können es wieder lernen, achtsam, Schritt für Schritt und ganz bewusst, unsere Vergangenheit zu heilen und das Wissen in uns zu nähren, dass wir nicht alleine sind und dass unser Leben einen Sinn hat. Denn wenn wir das nicht im Herzen erfahren, werden wir uns innerlich immer verloren fühlen.

 

8 Kommentare zu: “Wie wir tiefe Verzweiflung überwinden und Zuversicht finden können”

  1. Martina Surma

    Liebe Eva , wie wundervolle Worte du verwendest . Ich finde das Leben spannend und bin beim loslassen schon ein ein Bischen näher gekommen . Ich lerne Tag für Tag und versuche mit Rat und Tat entspannend und gelassen durchs Leben zu wandern . Ich habe eine sehr graue Vergangenheit hinter mir und bin mit frohen Mutes dabei diese positiv zu verwandeln und im hier und jetzt zu sein . Ich freue mich auf VIS . Herzlichst Martina

  2. Cordula

    Liebe Eva!
    Ja, genau ; ich als Betroffene kann anderen was Authentisches ( + Wirksames!!) mit-teilen! Das berührt mich auch immer zutiefst! Und umgekehrt können mir „Betroffene“ „das LICHT“ aufzeigen , das mir den Weg zeigt! Vor allem diese VERBUNDENHEIT ist es dabei immer wieder, die Kraft gibt und natürlich das Verstandenfühlen! Das ist die Kaft zB der ANONYMEN SELBSTHILFEGRUPPEN !
    Und: Genau wie du schreibst , LET go , let God ( wie ich „ihn“ verstehe!
    Dir herzlichen Dank!!!

    • Eva Adelberger

      Danke für deinen Kommentar, liebe Cordula. Genau wie du schreibst – es ist ein Geben und Nehmen. Und wenn es von Herzen kommt, kommt es auch im Herzen an.

  3. Gabriele Heinrich

    Guten morgen Eva , dein Herz sitzt am richtigen Platz , ich bewundere es wie du andere Menschen hilfst und es aus der So genannten grauen Zone geschafft hast . Das sagt sehr viel aus . Ich selbst falle immer wieder in dieses tiefe loch , und lese dann gerne deine Kommentare , die mich ein wenig unterstützen und Kraft geben .
    Ich danke Dir .
    LG Gabi

    • Eva Adelberger

      Liebe Gabi, ich bin auch nicht immer auf der Sonnenseite unterwegs, aber ich liebe es auch, immer tiefere Erfahrungen und Erkenntnisse für mich zu finden. Ich sehe das Leben als einen wirklich spannenden Weg nach innen und der endet eigentlich nie. Ganz liebe Herzensgrüße zu Dir.

  4. Susanne

    Liebe Eva,
    das hast du ganz wunderbar formuliert. Deine Worte berühren mich. Auch ich kenne diese ganz schwermütigen Tage der absoluten Hoffnungslosigkeit und bin sooo dankbar, dass es wertvolle Menschen wie dich gibt, die einen alternativen Heilungsweg anbahnen. Ich persönlich brauchte medizinische Hilfe und brauche sie auch weiterhin noch. Viel wichtiger ist für mich jedoch mein Weg der Transformation, durch den ich viel näher bei mir und meinen Gefühlen sein kann. DANKE

    • Eva Adelberger

      Liebe Susanne, nimm die medizinische Hilfe dankend an und gehe auch damit deinen eigenen Herzensweg. Du machst das wunderbar.

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