Wie du der Angst endlich „Ade“ sagst

Wir werden geboren mit der Kraft zu lieben. Doch unsere Angst hindert uns oft daran, dieses heilige Gefühl zu leben. Wie wir wieder Hingabe, Vertrauen und Vergebung lernen und zur Liebe zurückkehren können.


Dieses Essay von Marianne Williamson, das sich mit Liebe und Beziehungen beschäftigt, hatte ich schon vor längerer Zeit mal in meinem Blog veröffentlicht. Jetzt ist es grad wieder so aktuell für mich, dass ich es nochmal neu eingestellt habe. Es birgt für mich so viele Wahrheiten und bewegt mich immer wieder sehr. Und ich weiß, dass es auch dich berühren wird, denn wir wollen alle, ohne Ausnahme, die Liebe spüren und leben. Und es wird Zeit, das wir all das, was uns daran hindert, erkennen und aufgeben.

 

Nichts ist so machtvoll wie echte Liebe

Nichts besitzt größere Heilkräfte. Und doch erkennen nur einige Menschen ihr enormes Potential. Es ist die Liebe, die unser Bedürfnis nach Abenteuer, Sinngebung, Verzauberter Magie und einer gefühlvollen Verbindung mit einem anderen Menschen auf tiefster Ebene stillt. Durch sie wird ein Ich zum Wir. Und das gilt für all ihre Ausprägungen. Liebe ist Liebe. Jede innige Liebesbeziehung erteilt uns Lektionen in Mitgefühl, Akzeptanz, Loslassen, Vergebung und Selbstlosigkeit. Vor allem ist sie jedoch immer eines: Eine Herausforderung.

Unser Weg zu einer tiefen Erfüllung führt nämlich oft durch dunkle Täler der Schmerzen, in die gerade eine engagierte Beziehung führen kann. Zwar ist wirkliche Liebe auch immer tröstlich und beruhigend, aber meist müssen wir zuerst den Panzer durchbrechen, der unser eigenes Herz verbirgt. Es kann Zeiten der Tränen benötigen, um die harte Schale zum Schmelzen zu bringen, die unser zartes Innerstes umgibt. Tränen um jeden vergangenen Schmerz, Verlust oder demütigenden Misserfolg, der durch eine intensive Beziehung an die Oberfläche kommt. Menschen, die diese Tränen zulassen, sind keine Versager, sondern verdienen Respekt für ihre Bereitschaft, sich zu öffnen und sich all jenen Gefühlen zu stellen, die hochkommen.
Denn: Zuerst meldet sich meist der Schmerz und dann erst die Kraft. Zuerst bricht das Herz und dann erhebt es sich.

 

Nur die Liebe ist wirklich

Liebe erfordert Courage, den Willen, uns auf einen anderen und uns selbst einzulassen. Unsere spirituelle Lebensreise bedeutet das Aufgeben oder Verlernen der Angst und das Wiederannehmen der Liebe in unseren Herzen.
Wir müssen uns der Wahrheit stellen: Liebe ist eine essentielle, existentielle Tatsache. Sie ist unsere tiefste Wirklichkeit und unser Sinn auf Erden. In Wahrheit ist die Liebe das, womit wir geboren sind. Und die Angst ist das, was wir gelernt haben. Sich der Liebe bewusst zu sein, sie in uns selbst und anderen zu erfahren, das ist die Bedeutung des Lebens.

Wenn wir uns nach einer Liebesbeziehung sehnen, weil wir uns einsam fühlen, ist es wichtig zu verstehen, dass nicht die Abwesenheit eines anderen Menschen in unserem Leben Schmerz verursacht, sondern das, was wir mit diesen Menschen tun, wenn sie einen Platz in unserem Leben einnehmen. Reine Liebe bedeutet die Widerherstellung unserer Verbindung zum Herzen. Sie bedeutet, einen anderen Menschen so zu akzeptieren, wie er ist. Unsere Schwierigkeiten und Probleme in Beziehungen rühren gewöhnlich daher, dass wir in Bezug auf die andere Person oder die Beziehung selbst eine genaue Vorstellung davon haben, wie diese aussehen sollte. Auf eine reine Weise lieben wir jedoch erst dann, wenn wir Menschen erlauben, so zu sein, wie sie sind und damit aufhören, sie kontrollieren zu wollen oder sie mit Schuldgefühlen zu manipulieren. Statt dessen sind wir bereit, die wahre Schönheit im anderen zu erkennen.

 

Entdecke das Licht in Dir

Was uns davon abhalten will, wahrhaftig zu lieben, ist unsere Angst. Die Angst davor, verletzt und zurückgewiesen zu werden. Aber am meisten fürchten wir uns davor, dass andere entsetzt vor uns zurückweichen könnten, wenn sie sehen, wie wir wirklich sind. Darum erfinden wir Masken, die unser wahres Selbst verbergen sollen. Dabei ist dieses Selbst in Wahrheit unglaublich schön. Denn wenn wir tief genug in unsere wahre Natur vordringen, finden wir nicht Dunkelheit, sondern unendliches Licht und Schönheit. Was wäre, wenn wir wahrhaft daran glauben könnten, dass es einen Gott gibt, eine Ordnung zum Wohl aller Dinge, eine Kraft die die Dinge für uns zusammen hält und dies ohne irgendeine Form der Kontrolle unsererseits? Wenn diese Kraft uns bedingungslos unterstützten, uns schützen, für uns sorgen und uns lieben würde? Was wäre, wenn unser Glaube stark genug wäre, um loszulassen und uns zu entspannten?
Unser Herz schlägt ohne unser Zutun. Unser Blut durchströmt unseren Körper. Unsere Lungen sorgen für Sauerstoff. Unsere Sinne arbeiten eigenständig. Pflanzen wachsen aus Samen, Planeten kreisen um die Sonne. Alles gehört zu einem integralen System. Auch wir. Wir können auf diese Kraft bauen und ihr Vertrauen – oder auch nicht. Das ist unsere freie Entscheidung. Für mich ist Glaube die Überzeugung, dass das Universum auf unserer Seite steht. Glaube ist das psychische Gewahrsein von einer sich selbst entfaltenden Kraft für das Gute, die ständig in allen Dimensionen wirksam ist. Sind wir bereit, uns ihr zu überlassen, dann arbeitet sie zu unseren Gunsten.

Auch innerlich sorgt das Universum für unser Überleben – sowohl auf physischer als auch auf emotionaler Ebene. Innerlich brauchen wir zum Überleben die Liebe, das Äquivalent zum Sauerstoff. Unsere Beziehungen sind dazu da, Liebe zu produzieren. Wenn wir sie durch lieblose Gedanken und Handlungen zerstören oder verhungern lassen, bedrohen wir unser emotionales Überleben.
Die Gesetze des Universums wurden nicht erfunden, sie wurden entdeckt. Und sie beschreiben die Dinge letztendlich nur so, wie sie sind. Sie hängen nicht von unserem Glauben ab. Der Glaube an sie zeigt lediglich, dass wir ihr Wesen verstehen. Wollen wir überleben, müssen wir lernen, die Gesetze der Natur zu respektieren. Wollen wir seelisch gesunden, müssen wir das höchste innere Gesetz beachten, das uns dazu auffordert, einander zu lieben. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Hingabe ist die Essenz der Liebe

Um diesem Gesetz folgen zu können, brauchen wir die Kraft der Hingabe. Hingabe erfordert Stärke und Vertrauen. Sie ist ein mächtiges Nicht-Wiederstand-Leisten und das hat nicht zu tun mit Schwäche oder Verlust. Es bedeutet viel mehr, damit aufzuhören, Ereignisse in eine bestimmte Richtung lenken zu wollen und den Dingen Zeit zu lassen, damit sie sich natürlich entwickeln können. Hingabe meint, dass wir die Bindung an bestimmte Resultate aufgeben. Die Erfahrung der Liebe ist eine Wahl, die wir treffen, ist eine mentale Entscheidung dafür, dass wir die Liebe als den einzig wahren Sinn und Wert in jeglicher Reaktion erkennen. Solange wir diese Wahl nicht treffen, streben wir ständig nach Resultaten, die uns unserer Meinung nach glücklich machen werden. Aber wir alle haben schon erlebt, dass, nachdem wir Dinge bekommen haben, die wir so heiß herbeisehnten, wir durch diese dennoch nicht glücklich wurden. Alles äußerliche Streben, diese Suche nach allem anderen außer der Liebe, damit es uns vervollständigt und zur Quelle unseres Glücks wird, bringt uns nur vorübergehend Erleichterung. Geld, Macht und Sex verschaffen kurzfristige Linderung, doch wirklich erfüllen und heilen kann uns nur die Liebe. Unsere wichtigste Aufgabe besteht deshalb darin, jeden Widerstand gegen sie aufzugeben und uns ihr hinzugeben.

 

Der Weg der Sieger

Uns zu entspannen, die Liebe in unserem Herzen zu spüren und diese in jeder Situation zu bewahren, das ist die Bedeutung von spiritueller Hingabe. Sie verwandelt uns. Wir werden zu tieferen, anziehenderen Menschen. Liebe ist der Weg des Gewinners, sie ist eine magnetische Schwingung, zieht den Erfolg an. Wir müssen nicht ständig kämpfen, können auf Beziehungsdramen verzichten. Etwas ganz erstaunliches geschieht, wenn wir uns einfach hingeben und bedingungslos lieben. Wir verschmelzen in eine andere Welt, ein Reich der Kraft, das schon in uns existiert.
Diese Welt verändert sich, wenn wir uns verändern. Sie wird weicher, wenn wir weicher werden. Hingabe bedeutet, dass wir gewählt haben, nicht mehr gegen die Welt zu kämpfen, sondern sie vielmehr so anzunehmen. Ein Moment der aufrichtigen Hingabe, in dem die Liebe mehr wert ist als alles andere und in dem wir wissen und verstehen, dass nichts anderes wirklich zählt, kann unser Leben verändern. Ein solcher Moment macht den Weg frei für Wunder.
Wenngleich es eine menschliche Entscheidung ist, Liebe statt Angst zu wählen, ist die radikale Veränderung, die dies in allen Dimensionen unseres Lebens bewirkt, für mich ein Geschenk Gottes. In der Gegenwart der Liebe werden die Gesetze, die unsere normalen Alltagsangelegenheiten regieren, transzendiert. Unser Denken ist nicht länger Einschränkungen unterworfen und bewirkt dadurch unbegrenzte Erfahrungen.

 

Warum Vergebung uns befreit

Die Liebe in uns stirbt nie. Sie schläft nur manchmal für sehr lange Zeit. Die Sehnsucht nach ihr ist immer da. Die Sehnsucht und die Hoffnung, dass wir eine Beziehung zu einem Menschen haben können, der ein sicherer Hafen ist, ein Ort des Ausruhens und der Sicherheit nach all unseren Schlachten. Jede intensive Begegnung verkörpert eine tiefe und komplexe karmische Verbindung.
Was ich über die wahre Liebe gelernt habe: Sie verlässt uns nie. Auch nicht in Zeiten des Schmerzes, der Verletzungen, des Verrates, des Zweifels und der Angst. Wenn wir an der Liebe festhalten, überstehen wir die schlimmsten Stürme. Es braucht großen Mut und persönliche Stärke, trotz großer Verletztheit zentriert zu bleiben. Es erfordert Weisheit, um zu verstehen, dass unsere Reaktionen wie Angriff und Verteidigung nur die Flammen eines falschen Dramas entfachen. Liebe schafft einen mystischen Schild um uns, der uns vor dem Chaos schützt. Wenn wir uns inmitten einer Situation von Verrat oder in irgendeiner Krise befinden, liegt für mich Macht in Jesus Worten: „Sei still und wisse, dass ich da bin.“ Die Wahrheit kann nie zerstört werden. „Nichts geht jemals verloren außer Zeit, und die ist am Ende bedeutungslos“, heisst es im Kurs in Wundern.

Wir können die Liebe dann leben, wenn wir unseren Eltern, unserem Partner, unseren Mitmenschen und uns selbst vergeben. Ab einem gewissen Punkt müssen wir die Entscheidung treffen, unseren Groll, Zorn, unsere Ressentiments loszulassen und zu verzeihen.
Heilung findet in der Gegenwart statt – nicht in der Vergangenheit. Uns hält nicht die Liebe zurück, die wir in der Vergangenheit nicht bekommen haben, sondern die Liebe, die wir in der Gegenwart nicht vermehren.

 

Jede Erfahrung kann uns wachsen lassen

Heute wird viel von Menschen gesprochen, die eine gestörte Kindheit hatten. Aber wer von uns hatte die nicht? Die Welt ist gestört. Es gibt jedoch nichts, was wir durchgemacht, gesehen oder getan haben, das nicht dazu genutzt werden könnte, unser Leben jetzt wertvoller zu machen. Jede Erfahrung kann uns wachsen lassen, und wir können jede Erfahrung transzendieren. Letztendlich verbleibt uns Vergebung als einziger Weg, der aus der Hölle führt. Und wenn wir lieben, werden wir vom Schmerz befreit, leugnen wir die Liebe, bleiben wir im Schmerz. In dem Moment schicken wir Liebe aus oder projizieren Angst. Und jeder einzelne Gedanke bringt uns dem Himmel oder der Hölle näher. Unsere Bereitschaft, zu üben und uns einzulassen, ist der Schlüssel zur Liebe.
Niemand diskutiert über die Macht der Liebe. Aber ich habe auch gesehen, wie oft ich mich selbst gegen die Erfahrung der Liebe wehrte, wenn es mir wichtiger erschien, an einem Groll festzuhalten, als ihn loszulassen. Eine ganze Welt wurde um die Angst aufgebaut. Natürlich wird das System der Angst nicht binnen eines Augenblicks aufgelöst. Wir können jedoch jeden Moment unseres Lebens an uns arbeiten. Die Welt wird durch die Vielzahl einzelner liebender Gedanken zur Liebe geheilt. Mutter Theresa hat einmal gesagt, dass es keine großen Taten gibt – nur kleine Taten, die großer Liebe entspringen.
Es ist an der Zeit für uns, dorthin zurückzukehren, wonach sich unser Herz sehnt: Zu Einheit und zur Liebe.

 

Danke für diese wundervollen Worte, Marianne Williamson.

 

11 Kommentare zu: “Wie du der Angst endlich „Ade“ sagst”

  1. Sieglinde

    Ja: Liebe vertreibt immer die Angst. Doch wenn man keine Liebe findet, bedeutet das dann in der Welt von Fr. Williamson, dass man in der Hölle schmort! Sie spricht vornämlich von der Liebe in Beziehungen und beleuchtet damit dieses Thema leider unvollständig. Sicherlich es klingt wundervoll und erstrebenswert die „wahre Liebe“ zu finden. Diese zweite Hälfte die uns lt. Platon dann vervollständigt. Doch Fr. Williamson vergisst etwas sehr Wesentliches: Wahre Liebe kann man nur finden, erkennen und zulassen, wenn man Selbstliebe wiedergelernt hat. Damit ist nicht Egoismus gemeint, sondern der liebevolle Umgang mit sich selbst, ohne sich anderen ggü respektlos und herabwürdigend zu verhalten. Mit dieser Art der Liebe werden wir geboren, bis sie dem Großteil der Menschen „ausgetrieben“ wird. Gäbe es in allen Schulen der Welt ein verpflichtendes Lehrfach „Selbstliebe“ würde unsere Welt definitiv anders aussehen! Wie soll man einen anderen Menschen so akzeptieren, wie er ist, wenn man nicht gelernt hat, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist? Wie soll man jemand anderen wahrhaft vergeben, wenn man sich selbst nicht vergeben kann? Oh ja, es klingt traumhaft, der „sichere Hafen einer Beziehung“, wo man „sich ausruhen kann, nach den Schlachten des Lebens“. Doch es impliziert, dass nur jemand anders uns retten kann. Dies ist aber ein Trugschluss, der immer nur im Leid endet! Wer nicht gelernt hat, sich mutig um die Wunden aus seinen eigenen Schlachten zu kümmern und versucht diese zu heilen, wird in den seltensten Fällen jemand finden, der langfristig die Kraft aufbringen kann, unverarbeitete alte Wunden immer wieder zu verbinden! Der wird auch immer unfähig sein, Andersartigkeit wahrhaft zu respektieren. Wer immer nur wartet, dass jemand anders einen heilt, wird sein Leben lang herumirren und suchen. Und vielleicht eines Tages erkennen, dass der Weg zur „wahren Liebe“ immer nur über das Erlernen und Praktizieren der Selbstliebe möglich ist.

  2. Sieglinde Falkenhahn

    Liebe Eva

    Ich danke dir für diesen schönen Text ?

    Er hat mich sehr berührt ?

    Liebe Grüße Sieglinde

  3. Claudia

    So wahr. Und wenn ich diese schönen, wahren Worte lese, fühle ich im Herzen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Gleichzeitig schaltet sich der Kopf ein und stellt tausende von Fragen. Das Herz sagt nun dem Kopf: sei geduldig. Deine Fragen werden sich von selbst beantworten, wenn die Zeit reif ist.

  4. Katja S.

    Wunderschöne, ermutigende, kräftigende Worte.
    Sie sprechen mich sehr an, rühren mich.
    Eine gute Idee, sich ihrer täglich zu vergegenwärtigen. Als Ritual, zum Zentrieren.
    Gibt es diesen Essay als PDF?
    Ich hab zwar auch ihr Buch ‚Rückkehr zur Liebe‘ und auch der Kurs in Wundern liegt bei mir – diese Worte scheinen mir die Essenz davon zu sein.
    Danke!

  5. Nadin Weisze - Tief Gang

    Wow, wie wundervoll. Ich bin unglaublich tief berührt von diesen Worten!!! So viel Wahrheit, so viel Weisheit und so viel Verbindung und Einssein! Danke für das Teilen und Verbreiten der Liebe! In Liebe, Nadin

    • Eva Adelberger

      Es war mir ein Herzensbedürfnis, liebe Nadin. Berührung ist etwas wunderbares und macht uns menschlich.

Kommentar schreiben

XHTML: Du kannst diese HTML-Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Informationen zur Datenverarbeitung findest du in der Datenschutzerklärung.

Alle Blogartikel