Welche guten Vorsätze wirklich Sinn machen und welche nicht.

Wenn ich zur Zeit in mein Email-Fach schaue oder im Social-Media unterwegs bin, kommen sie gerade von allen Seite auf mich zu – die „Jahres-End-Versprechungen“.

Wie du das nächste Jahr zum Besten deines Lebens machst und endlich durchstartest.

Wie du dein Denken auf Erfolg schaltest und nur noch Dinge in dein Leben ziehst, die dich glücklich machen.

„Wie du in kürzester Zeit alles Negative löschst und dich komplett von alten Fesseln befreien kannst.“

„Wie du auf einem ganz neuen Level Freude, Liebe, Mut und Kraft spüren kannst.“

So einige Originalzitate der Angebote, die mich immer wieder in Erstaunen versetzen.

 

Erleuchtung im Schnelldurchlauf

Klar, wer möchte nicht das beste Jahr seines Lebens erleben oder einfach komplett alles negative in seinem Leben löschen. Solche Ankündigungen und Versprechen sind doch super-verlockend. Und gerade am Jahresende neigen wir ja sowieso zu guten Vorsätzen und sind dann eher bereit, uns dafür auch echt zu motivieren und es uns auch etwas kosten zu lassen, um es endlich, endlich zu schaffen, zur „besten Version unserer Selbst“ oder sonst einer Superlative zu werden.
„….und wie du das in kurzer Zeit/ während der Rauhnächte/ während des Kurses/ in 5 Tagen/ in nur 1 Woche/ schaffen kannst.“
Das Ziel, endlich dauerhaft glücklich zu sein, sollte also auch möglichst schnell erreicht werden, denn warum noch lange rumdümpeln, wenn die Verwandlung so leicht und zum Greifen nahe erscheint. Und da wir ja oft schon so viele Wege ausprobiert haben, so manches getestet haben, uns vielleicht schon lange anstrengen, endlich etwas zu verändern und oft auch einfach müde und resigniert sind, lassen uns solche Angebote Hoffnung schöpfen. Denn das könnte ja jetzt wirklich genau DIE Methode sein, die uns wieder positive Lebensenergie gibt und uns endlich befreit aus unserem Hamsterrad.

 

Wir möchten es so gerne schaffen

Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich die vielen „neuen“ und „einzigartigen“ Konzepte dann aber doch nicht so sehr voneinander, denn – wie das Sprichwort schon sagt: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ Das, was sich unsere Seele und unser Herz wünschen, ist seit Urzeiten das gleiche. Und die Herangehensweise, wie diese Wünsche erfüllt werden können, hat sich auch nie verändert. Wir alle sehnen uns nach Geborgenheit, Aufgehoben sein, Freiheit, Frieden, Freude, Harmonie, Fülle und Sicherheit, aber auch danach, etwas Neues zu erleben, nach Abwechslung, Ausgelassenheit und tiefen Berührungen. Und die Nahrung, die unsere Seele und unser Herz dafür brauchen und die wir ihnen meist nicht in ausreichendem Maße schenken, sind auch immer dieselben: Die Hauptlebensmittel heißen Selbst-Mitgefühl, Selbst-Wertgefühl und Selbst-Achtung.

 

Das zu erreichen wünschen wir uns alle

Aber können wir diese Selbst-Wertgefühle, diese Seelennahrung wirklich in ein paar Tagen einfach so in uns reinfuttern, dass wir ein für alle Male satt sind und Gut is? Klappt das wirklich in Online-Kursen, die wie früher in Schule und Studium aufgebaut sind, vollgepackt mit Material, Videolektionen, Worksheets und jeder Menge Zusatzboni? Von denen manche sogar den Namen „Herz-Training“ tragen, so als ob es eine sportliche Leistungs-Übung sei, das Herz wieder zu spüren und weich werden zu lassen. Heute das Fach abhaken und morgen das nächste? Dazu ein bisschen Austausch in der Facebookgruppe und ein paar Live-Sessions – Fertig? Oder können wir die erwünschte Veränderung erreichen mit der täglichen Motivations-App oder schaffen wir den Durchbruch mit dem Befolgen und Dranbleiben an der tollen neuen Befreiungs-Methode?

 

Ja, wir sind hungrig

Ja, wir wollen Veränderung. Und Ja – wir sind bereit, dafür etwas zu tun und dafür zu bezahlen. Aber ganz ehrlich: Ich habe schon einige dieser Kurse, Seminare oder Bücher gekauft und voll motiviert begonnen, doch nach kurzer Zeit brachte ich die Disziplin nicht mehr auf, die ganzen Programme und Meditationen anzuhören, Arbeitsblätter auszufüllen, abzuarbeiten, zu reflektieren und dann auch noch in die Tat umzusetzen.
Vielleicht hast du das auch schon so erlebt, jedenfalls habe ich diese Erfahrung oft von anderen Menschen gehört. Deshalb glaube ich, dass solche Lernmethoden, wie wir sie von früher kennen – die übrigens auch in Schule und Studium schon nicht wirklich funktioniert haben – nicht geeignet sind, um unserer Seele und unserem Herzen dabei zu helfen, sich zu entwickeln und sich von den vielen Einschränkungen und Verurteilungen zu befreien, die wir uns im Laufe unseres Lebens selbst auferlegt haben.
Ich habe es mir schon seit längerer Zeit komplett abgewöhnt, irgendeine Veränderung oder Entwicklung in oder während einer bestimmten Zeit oder mit einem vorgegebenen Programm erreichen oder schaffen zu wollen. Es einfach nie funktioniert. Meine Seele und mein Herz haben ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Zeit und lassen sich nicht schulstundenmäßig auf das Programm ein, dass ich ihnen gerade verordne.

 

Wie soll es also funktionieren?

Das fragst du dich jetzt vielleicht. Wie kann ich denn in eine positivere, leichtere Energie kommen und meine immer wiederkehrenden Themen endlich auflösen und mich von ihnen befreien?
Die Lösung, die sich bei mir als erfolgreich herausgestellt hat, lautet:
Gib dir Zeit.
Atme mal tief durch und nimm den ganzen Druck wahr, den du dir durch die „Arbeit“ an dir selbst auferlegst. Veränderungen entwickeln sich ganz von selbst, wenn du den Druck rausnimmst und sie einfach geschehen lässt. Es liegt nicht immer an deinem mangelnden Einsatz, wenn es nicht vorwärts geht, sondern manche Dinge sind vielleicht einfach noch nicht so weit und du darfst in Ruhe abwarten, bis die jeweiligen Entwicklungen stattgefunden haben.

 

Nichts tun ist hoch-effektiv

Doch Nichts tun und abwarten ist gerade heute in unserer hyperaktiven Zeit schon fast ein No-Go geworden. Dabei geschieht gerade in diesem Nichts-Tun so viel. Nur haben wir den Glauben daran verloren, dass es auch ganz ohne unsere eigene Motivation und Anstrengung gehtDass sich Dinge auch von selbst entwickeln und geschehen können. Alles, was du „tun“ kannst, ist, dir Zeit und Stille für dich selbst zu schenken. Veränderungen müssen reifen, innere Entwicklungen geschehen in Ruhe, meist ganz unbemerkt von außen und brauchen immer Zeit. Dieser Reifeprozess ist bei unserer Seele nicht anders als beim Käse und beim Wein.
Und dann, ganz plötzlich und unerwartet sind sie auf einmal da, die überraschenden und doch so einfachen Erkenntnisse, plötzlich rieseln die Schuppen von den Augen, auf einmal gehen die Dinge wie von selbst und ganz leicht und du staunst, wie einfach alles doch in Wirklichkeit ist. Solche Momente – und meist sind es wirklich nur Momente, die allerdings eine lange Auswirkung haben – zählen zu den schönsten und wichtigsten in meinem Leben. Und die habe ich mir selten hart erarbeitet, sondern sie wurden mir geschenkt.

 

Komme dir selbst wieder näher

In meiner Tätigkeit als Coach und in meinen Seminaren und Kursen möchte ich dich dazu anregen, dir selbst zu begegnen, achtsam in dich hineinzuspüren und das wahrzunehmen, was gerade in dir ist. Ich möchte dich inspirieren, dich so anzunehmen, wie du bist, ohne dir viele Vorgaben oder Aufgaben zur Veränderung zu stellen. Ich glaube, die nachhaltigste Veränderung geschieht immer dann, wenn sie tief in dir selbst entsteht und durch deine eigene Kreativität und Schöpferkraft hervorgerufen wird.

 

Die Rauhnacht-Inspirationen

Zum vierten Mal veröffentliche ich in diesem Jahr wieder meine Rauhnacht-Inspirationen kostenlos auf Facebook und hier im Blog auf meiner Website. Als ich vor 4 Jahren zum ersten mal darüber schrieb, war das Thema für viele noch recht neu. Mittlerweile gibt es Bücher, Kalender, Seminare, Online-Seminare und vieles mehr zu den Rauhnächten.
Meine Rauhnacht-Inspirationen sind kein teures, durchdesigntes, perfektes Online-Programm. Sie sind aus meiner eigenen Erfahrung mit den Rauhnächten entstanden und sollen sollen Anregungen für dich sein, achtsam durch diese besondere Zeit zu gehen. Ich habe sie wieder etwas überarbeitet und ergänzt, sie jedoch einfach gehalten. Sie sind nicht überfrachtet mit Tipps und Aufgaben oder mystischem Beiwerk, sondern sollen dir alltäglich Raum geben, deine eigenen Bilder, Gefühle und Erfahrungen in dir entstehen zu lassen und zu erleben.
Wie immer teile ich meine Rauhnacht-Inspirationen auch dieses Jahr wieder kostenlos mit jedem, der dabei sein möchte. Und ich freu mich riesig, wenn du dieses Jahr neu dazukommst oder wieder dabei bist.

Abschließend möchte ich nicht bestreiten, dass all das, was ich Eingangs ein bisschen in Frage gestellt habe, nicht für dich funktionieren kann. Es sind lediglich meine Erfahrungen, die ich hier beschreibe und ich weiß es nicht besser als du. Und es mag sich nach meinen Ausführungen vielleicht seltsam anhören: Ich selbst habe als Ergänzung zu meinen persönlichen Begleitungen auch demnächst wieder einen kleinen Online-Kurs im Angebot, den ich aus den genannten Gründen sehr schlicht und individuell durchführbar gestaltet habe und der vielleicht gerade deshalb sehr tief in dir wirken kann.

 

Ich wünsche dir viel Segen für die dunkle und doch so lichtvolle kommende Zeit. Möge in diesen Tagen viel Schönes in dir reifen, dass dich bereichern und erfreuen möge.

 

Von Herzen – Eva

10 Kommentare zu: “Welche guten Vorsätze wirklich Sinn machen und welche nicht.”

  1. Uwe

    Liebe Eva, wieder so ein wunderbarer befreiender Text, der so viel selbstgemachten Druck nehmen kann. Einfach nichts tun müssen, die Zeit für sich arbeiten lassen und in sich hinein hören…..fühlt sich gut an. Deine verehrten Kollegen werden das tw. nicht so gerne lesen. In der Tat werde ich überschüttet mit Angeboten zu Podcasts, Folge 131….Online-Seminaren, tausend Ratschlägen wie ich endlich glücklich werde etc….! Nun gut, letztlich wollen all die Coaches auch gehört werden und Ihr Geld verdienen.
    Nur weder Bücher, noch Vorträge, noch gut gemeinte Ratschläge allein haben viel bei mir bewirkt….

    • Eva Adelberger

      Ja, lieber Uwe, mittlerweile gibt es viele, die damit Geld verdienen, anderen Impulse zu geben. Ich tue das ja auch und evtl. wird es auch von mir demnächst einen Podcast geben. 🙂 Was mir persönlich nicht gefällt, ist die Art der Versprechungen, die dort oft gegeben werden, denn aus eigener Erfahrung – und du hast es ja auch so erfahren – weiß ich, dass das meist nicht funktioniert. Ich liebe es, neben meiner Online-Tätigkeit, in meinen persönlichen Coachings mit Menschen immer auch den einzelnen Menschen wahrzunehmen, seine individuelle Geschichte zu hören und mit ihm gemeinsam Klarheit über den Ursprung entstehen zu lassen, mit ihm zu fühlen und alles andere geschieht dann von selbst.

  2. Carla Kolb

    Liebe Eva,
    du bringst die Dinge sooo schön auf den Punkt. Dafür danke ich dir sehr herzlich. Früher habe ich nie verstanden, wenn mein Vater gefragt wurde „was machst du?“ und er darauf geantwortet hat, „Müßiggang.“ Heute weiß ich, was er mir da Wertvolles mit auf den Weg gegeben hat. Dieses „Nichts tun“ ist so wohltuend und wichtig und befreiend. Auch ich habe viele Seminare besucht, Ausbildungen absolviert und Bücher gelesen. Anfangs war vieles neu und interessant für mich und es gibt bestimmt Menschen für die das heute noch zutrifft. Inzwischen bin ich gesättigt und lasse mich ab und zu mal bei Vorträgen wieder an das ein oder andere erinnern. Tatsächlich gibt es nicht wirklich etwas Neues, nur eine andere Betrachtungsweise. Und das ist hilfreich.
    Jetzt freue ich mich auf deine Rauhnacht-Inspirationen. Damit habe ich mich noch nie beschäftigt und bin sehr neugierig.
    Liebe Grüße
    Carla

    • Eva Adelberger

      Ja, liebe Carla, ich glaube, das Leben selbst führt uns auch zu Entwicklungen, ganz ohne das Besuchen von Seminaren oder das Lesen von Büchern. Denn das einfache „mit uns selbst“ sein ist alles, was es braucht, um uns und anderen näher zu sein.

  3. Cornelia

    Herzlichen Dank liebe Eva. Genau das, was du hier beschreibst ist mein Thema zurzeit. Ich bin in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess und merke immer wieder, dass ich mir zu viel Druck mache und, dass mir vielfach das Vertrauen abhanden kommt. Zurzeit arbeite ich außerdem ein schweres Kindheitstrauma auf, was mich über all die Jahre nachhaltig und unbewusst sehr negativ beeinflusst hat, mich in Erfolglosigkeit und Mangel leben ließ. Nun bin ich soweit, dass ich spüre, dass mir Flügel wachsen. Ich habe durch das seit Jahren erlebte kein SELBST Vertrauen mehr. Und dennoch drängt es mich, mein Leben endlich in die eigenen Hände zu nehmen. Ich spüre, dass ich zurzeit wie in einem Kokon bin und darauf warte zu „schlüpfen“ und habe Mühe damit zu anerkennen, dass es sehr viel mehr Zeit braucht als ich dachte.

    • Eva Adelberger

      Liebe Cornelia, ja, manches braucht seine Zeit, aber wenn du Dinge einmal erkannt und gefühlt hast, ist die Veränderung oft in einem Moment da. Sich Zeit geben heißt nicht in einer Warteposition zu verharren, sondern dich so anzunehmen, wie du jetzt bist. Eben mit noch ganz kleinen Flügelchen. Und – Veränderungen müssen nicht erarbeitet werden, sie dürfen auch leicht gehen.

  4. Sabine

    Hallo Eva.
    Danke für diese liebevollen Worte. Ich habe gerade gestern wieder diese kleinen Momente der Erkenntnis, des Fühlens und das Ansehen aus einem anderen Blickwinkel erlebt. Wie berührend, dass ich durch das bewusste atmen mich zurück fühlen kann. Es war wie ein kleines Feuerwerk der Erkenntnis und ließ mich lächeln.
    Danke für all deine Inspiration.😘😘👌
    Liebe Grüße und einen besinnlichen 2. Advent.
    Sabine

  5. Surma

    Herzlichen Dank liebe Eva für diese wundervollen Worte . Ich übe mich täglich und erinnere mich so oft ich daran denken kann meinen selbstgezüchteten druck Rauszunehmen und einfach geschehen lassen . Namaste 😘🌹❤️

    • Eva Adelberger

      Ja, liebe Martina, und versuche auch, den Druck wegzulassen, möglichst keinen Druck zu haben. Dieses sich selbst Druck machen versteckt sich manchmal an den raffiniertesten Stellen.

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