Werde selbst zu dem Menschen, den du als Kind gebraucht hättest

„Vielleicht müssen wir selbst zu dem Menschen werden, den wir als Kind so dringend gebraucht hätten.“

Diesen Spruch, den ich irgendwo gelesen habe, habe ich letztens bei Facebook gepostet. Er hat über 5000 Menschen erreicht und die meisten davon tief berührt. Genauso ging es mir auch. Für mich ist es allerdings kein „Vielleicht“, sondern ein Weg, den ich selbst gegangen bin und immer noch gehe. Für mich der beste Weg in die Selbst-Fürsorge und in den Selbst-Wert, den ich kenne. Und genau bei diesem Prozess begleite ich auch die Menschen in meinen Coachings.

Irgendwann kommen wir da immer an einen Punkt, wo dem Menschen, der gerade vor mir sitzt, sehr deutlich bewusst wird, dass er sich gerade in den schwierigen Situationen seiner Kindheit oft sehr einsam und verlassen gefühlt hat. Auch und gerade dann, wenn er bisher geglaubt hat, dass seine Eltern doch eigentlich ganz gute Eltern waren.
Meist hat dieser Mensch im Coaching dann schon gelernt, mehr Mitgefühl für sich selbst und das Kind, das er mal war, zu entwickeln und er begegnet sich nicht mehr mit so viel Härte und Strenge, die als Folge von kindlichen Verletzungen entstanden ist. Je mehr wir unsere Gefühle wieder zulassen können, desto tiefer können wir spüren und fühlen, dass die Mutter oder auch der Vater, also die uns eigentlich vertrauten Personen, uns oft nicht das schenken konnten, was wir damals so dringend gebraucht hätten. Nämlich Verständnis, Interesse, Zeit oder liebevolles Mitgefühl für die Nöte unserer Kinderseele. Und wir spüren, wieviel  es viel verändert hätte, wenn uns diese lebenswichtigen Zuwendungen damals ausreichend zuteil geworden wären.

 

Was unser Herz schwer macht

Wenn uns dieser Verlust an liebevoller Zuwendung in unserer Kindheit wirklich in vollem Umfang und seiner ganzen Auswirkung bewusst wird, löst das meist ein tiefes Gefühl der Traurigkeit und Einsamkeit aus. Gefühle, die wir uns in diesem Zusammenhang oft schon seit vielen Jahren verboten haben und die wir, wenn überhaupt, heute stellvertretend im Zusammensein mit anderen Menschen spüren. Das kann mit unserem Partner sein, unseren Freunden, Kollegen, Chefs oder anderen Menschen, mit denen wir zu tun haben. Denn die Traurigkeit und Einsamkeit, die wir als Kind in unserem Herzen verschlossen haben, verschwinden nicht einfach so, nur weil wir erwachsen werden. Diese Gefühle bleiben tief in uns und machen uns in bestimmten Lebenssituationen oder im Umgang mit anderen Menschen immer wieder unser Herz schwer – ohne dass wir uns ihrer eigentlichen Herkunft bewusst wären.

 

Tränen dürfen immer sein

Wenn wir in einem Coaching an diesem Punkt sind, wo diese Zusammenhänge ganz klar werden und der- oder diejenige die Situationen der Kindheit mit all der Traurigkeit und Einsamkeit in sich wirklich richtig fühlen kann, frage ich meist: „Stell dir vor, was hätte die beste Mutter oder der beste Vater, den du dir vorstellen kannst, jetzt getan?“
Diese Frage kann richtig tief erschüttern, denn erst durch die Vorstellung, wie es gut, warm und richtig für dich gewesen wäre, wird dir erst wirklich bewusst, wonach du dich so sehr gesehnt hast, was du so schmerzlich vermisst hast und was du so dringend gebraucht hättest.
Und dann laufen meist die Tränen, und das ist sehr gut so. All das, was du so lange zurückgehalten hast, was du so lange versteckt hast, all die lange Zeit, in der du stark sein wolltest, in der du die Zähne zusammengebissen hast und dir keine Schwäche und keine Gefühlsregung erlaubt hast, kommt in Bewegung und ins Fließen. Jede dieser Tränen ist unendlich kostbar und heilt die Wunden im Herzen des verletzten Kindes in dir.

 

Du kannst die Vergangenheit verändern

Du selbst kannst heute der Mensch sein, den du damals so nötig gebraucht hättest. Du kannst die beste Mutter oder der beste Vater oder einfach ein Mensch für dich sein, der das Kind in dir jetzt so behandelt, wie du es dir damals gewünscht hättest. Fürsorglich, mitfühlend, verständnisvoll, großzügig, verzeihend und liebevoll. Es ist nie zu spät, damit anzufangen. Für das Kind in dir, für dich selbst und in der Folge auch für alle anderen Menschen. Und es verändert auch heute noch alles, wirklich alles. Dein ganzes Leben.

Lets start loving ourselves

Ein Kommentar zu: “Werde selbst zu dem Menschen, den du als Kind gebraucht hättest”

  1. Gerlinde Steindler

    Liebe Eva,bei diesem Beitrag kommen mir die Tränen,ich hab das als Kind so erleben müssen.Ich wurde als Baby mit zwei Wochenvon meiner leiblichen Mutter weggegeben. Die Zieheltern haben mich nicht wirklich wahrgenommen,ich war halt da,mehr nicht,Liebe gabs weniger,dafür mehr Hiebe,bevorzugt wurden alle anderen,ich musste das nehmen,was abetragen war,von der Kleidung her,Taschengeld gabs sehr selten,für meine Cusinen und Cusins hatten sie sehr wohl Geld übrig,das hat mir sehr weh getan.Jetzt wo ich mein eigenes Geld verdiene,geb ich es mit Freuden aus,

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