Selbstliebe auf Knopfdruck?
Funktioniert nicht wirklich.

 

Der Begriff  ‚Selbstliebe‘ ist ja gerade in aller Munde. Jeder will sie haben und viele meinen, wenn sie es denn endlich geschafft haben mit der Selbstliebe, würde es das Ende aller Probleme in ihrem Leben bedeuten. Oft höre ich von meinen Klienten Sätze wie „Ich weiß, ich brauche mehr Selbstliebe, aber ich weiß nicht, wie ich das schaffen kann.“ Selbstliebe ist zu einem geflügelten Wort geworden, etwas, das wie an einer Angel verlockend vor uns her baumelt, dem wir hinterher hecheln und das wir anscheinend doch nie so richtig erreichen können. Was bedeutet wahre Selbstliebe wirklich und ist es überhaupt möglich, dorthin zu kommen? Und wenn Ja, wie?

 

Selbstliebe kommt nicht von selbst

Die Voraussetzung für wirkliche Selbstliebe ist für mich zuerst mal, mich selbst immer mehr bedingungslos anzunehmen. Genauso wie ich jetzt gerade bin, wie ich jetzt handele und mein Leben gestalte. Wirklich radikal „Ohne Bedingungen.“ Nicht verhandelbar, ausnahmslos alles. Ohne Selbstvorwürfe, ohne Verbesserungsvorschläge, ohne Erwartungen, ohne Wenn und Aber.

Die meisten von uns laufen den ganzen Tag mit bewussten oder auch unbewussten Gedanken der Selbstvorwürfe oder mit Verbesserungswünschen an sich selbst rum. Es ist unglaublich aufschlussreich, mal einen Tag deine Aufmerksamkeit darauf zu legen, wie diese Gedanken bei dir aussehen und wo sie sich überall verstecken. Finden kannst du sie ganz einfach, wenn du merkst, da fühlt sich grad irgendwas nicht gut an in dir. Wenn du diesem Gefühl nachgehst, wirst du beinahe immer zu Gedanken kommen wie: „Das hätte ich jetzt aber anders/besser machen müssen“, „Ich bin schuld daran, dass es so ist“, „Ich sollte das eigentlich besser wissen“, „Ich muss mich noch viel mehr anstrengen“, „Diese Fehler hätten mir nicht passieren dürfen“, „Ich bin nicht gut genug“ oder „Das liegt nur an meiner Blödheit“. Diese Reihe der Selbst-Verurteilungen lässt  sich unendlich fortsetzten und jeder hat da seine ganz persönliche Liste, der er sich jeden Tag aussetzt. Und dazu kommen noch die vielen kleinen, fast normal erscheinenden und deshalb oft gar nicht bewusst als Verurteilung wahrgenommenen Alltags-Dinge. Sei es, du hast etwas vergessen, du bist zu spät gekommen, ein kleines Versehen, etwas gegessen, was du eigentlich nicht solltest, du hast etwas übersehen, wieder nicht in Kleidergröße XY gepasst oder immer wieder den gleichen blöden Fehler gemacht. Auch diese Dinge buchen wir unbewusst auf unserem Negativ-Konto.

 

Ohne Bewusstsein geht es nicht

Der erste Schritt zur Selbst-Liebe oder Selbst-Annahme besteht also darin, dir dieser vielen inneren Ohrfeigen, die du dir selbst täglich verpasst, bewusst zu werden und zu erkennen, was du dir da ununterbrochen antust. Denn wenn du dich so behandelst, ist es unmöglich, dass du dich gut fühlst bzw.es dir gut gehen kann. Aber warum tun wir das eigentlich? Warum sind wir so streng und oft unbarmherzig mit uns selbst und setzen uns so unter Druck? Wieso gelingt es uns nicht einfach, uns selbst zu lieben?

Der Ursprung für diese Selbstverurteilungen liegt in deiner Kindheit. Liebe ohne Bedingungen, Anforderungen und besser oder anders sein zu sollen, haben die allermeisten von uns als Kinder nicht erlebt. Diese bedingungslose Liebe und Annahme haben wir weder von unseren Eltern noch von unseren Lehrern oder anderen Menschen, die uns ‚erzogen’ haben, bekommen. Sie war immer an Forderungen geknüpft und es gab immer Bedingungen, die wir erfüllen mussten, um uns Zuneigung, Anerkennung und Liebe zu verdienen. Lieb sein, brav sein, fleißig sein, ruhig sein, sauber sein, nicht auffallen oder etwas besonderes sein, ordentlich sein, leise sein, helfen, nicht streiten, gut in der Schule sein, freundlich sein, nicht wütend oder aggressiv sein, höflich sein, Danke sagen und, und, und.
Anforderungen, an denen jedes Kind, das natürlicherweise mit Lebenslust, Freude, Kreativität und Entfaltungsdrang auf diese Welt kommt, scheitern muss. Und sich schlußendlich ergibt und anpasst zugunsten von liebevoller Zuwendung und Annahme seiner selbst.

Das Fatale an dieser Situation ist aber,  dass du dadurch auch gelernt hast zu denken: “ So wie ich bin, bin ich nicht richtig“ und in der Folge angefangen hast, dich selbst zu verurteilen und dich bis heute anstrengst, endlich mal „richtig“ zu sein. Es wäre also etwas völlig Neues, noch ganz Unbekanntes für uns, bedingungslos angenommen zu werden so wie wir sind, mit allen Eigenheiten, Besonderheiten, Farben und Formen. Eben ohne Wenn und Aber. Ein Gefühl oder ein Zustand, den wir überhaupt noch nicht kennengelernt haben, der aber dennoch so wichtig ist, damit wir unser Herz für uns öffnen können und authentisch wirklich ganz wir selbst sein können. Und vielleicht fragst du dich jetzt immer noch: „Wie soll das denn jetzt gehen?“

 

Die Suche beginnt und endet bei Dir

Die schlechte Nachricht, nämlich wie es nicht geht, zuerst: Die einzigen Menschen, die dir diese bedingungslose Liebe damals hätten schenken können, existieren nicht mehr. Es waren die Eltern und Personen deiner Kindheit, die aufgrund ihrer eigenen Ängste und Abhängigkeiten nicht in der Lage waren, dich einfach so anzunehmen und sein zu lassen, wie du zu ihnen kamst. Und weil du das damals so schmerzlich vermisst hast und bis heute so dringend brauchst, suchst du immer weiter danach, vielleicht immer noch bei deinen heutigen Eltern und allen anderen Menschen, die dir begegnen. Aber sie können dir diese Liebe nicht geben und sind auch nicht dafür zuständig.

Die gute Nachricht und der beste Weg, wie es funktionieren kann, ist: Der einzige Mensch, der dir bedingungslose Selbstannahme heute schenken kann, bist du selbst. Doch da du diesen Zustand der Selbstannahme vielleicht noch nie vollständig erfahren hast, ist er noch Neuland für dich und es wird nicht einfach von heute auf morgen „Klick“ machen und er ist da.  Etwas ganz neu zu lernen, etwas ganz neu zu erfahren, braucht Zeit und liebevolles, geduldiges Dranbleiben. Sich selbst wirklich ehrlich annehmen heißt, auch alle Gefühle wie Trauer, Wut, Angst, Kleinheit, Neid, Schuld anzunehmen, denn es heißt ja OHNE Bedingungen, ohne Unterscheidung in Gut oder Schlecht. Das ist für die meisten von uns wirklich erst mal sehr ungewohnt.

 

Neu denken heißt Neu fühlen

Also, jedesmal wenn du wahrnimmst, dass du dich verurteilst, kritisierst, dich schlecht behandelst, wie und für was auch immer, sei mitfühlend und nachsichtig mit dir. Spüre das kleine Kind in dir, das es immer so gut gemacht hat, wie es konnte, das sich aus der Not und den erfahrenen Reaktionen heraus selbst schlecht gedacht hat. Und vielleicht kannst du in deinem Herzen spüren, dass es keinerlei Bestrafung dafür verdient, dass es so ist wie es ist. Weil es immer sein Bestes versucht hat. So wie du heute auch.

Das absolut bedingungslose Annehmen deiner Selbst ist, wenn du es zum ersten mal fühlst, wirklich überwältigend. Das schönste Gefühl, das ich kenne. Und überhaupt nicht damit zu vergleichen, wenn dir ein anderer sagt, dass du gut, schön, klug oder toll bist. Es mag eine Start-Hilfe sein, von anderen Bestätigung und Liebe zu bekommen, aber solange du dieses Gefühl im Inneren nicht spürst, ist diese Hilfe wie ein warmer Regen, der auf der trockenen Erde bald wieder verdunstet. Du selbst darfst fruchtbaren Dünger einbringen, Samen in die Erde legen und sie mit dem Wasser des Selbst-Mitgefühls, der Nachsichtigkeit und Vergebung gießen. Dann werden die Keime der Selbstliebe bald nur so sprießen.

 

Triff eine neue Entscheidung

Wenn du dir für das Wachsen deiner Selbst-Annahme und – Liebe und den Weg in ein bewussteres, glücklicheres Leben eine gute, funktionierende Anleitung wünschst, sowie Hilfe und Motivation zum Dranbleiben, schau dich mal auf meiner Seite um. Hier findest du viele Angebote – vom besonders effektiven Einzel-Coaching bis zu berührenden Seminaren, in denen du wertvolle Erkenntnisse machst und Veränderungen auf den Weg bringst. Auch in meinem Blog findest du immer wieder Anregungen, die dich viele Dinge in deinem Leben in einem neuen Licht sehen lassen.

Es ist deine Entscheidung, ob du dir weiter das Leben schwer machen willst, indem du die Verurteilungen aus deiner Kindheit in dir aufrecht erhalten willst oder dich entscheidest, einen neuen, dir vielleicht noch unbekannten Weg des Selbst-Mitgefühls und der Selbst-Wertschätzung zu betreten. Für diesen Weg ist es nie zu spät und du kannst nicht verlieren, sondern nur gewinnen.

Ich wünsche dir und mir und uns allen viel Segen auf dem Weg zu einem sich selbst bedingungslos liebenden Menschen. Solche Menschen werden heute dringender gebraucht denn je.

 

Von Herzen – Eva

 

10 Kommentare zu: “Selbstliebe auf Knopfdruck?
Funktioniert nicht wirklich.”

  1. Martina Surma

    Herzlichen Dank liebe Eva . Ich bin dabei es schon ganz dezent zu fühlen . Das wahrhaftige Glücksgefühl von Frieden, Dankbarkeit und Erfüllung . Alles hat begonnen auf der Reise zu mir selbst bei dir auf Vis . Unvergessen 🙏herzliche Grüße ❤️

    • Eva Adelberger

      Soooooo schön, liebe Martina. „Dezent“ ist doch voll ok. Schicke mal ein paar Berliner nach Vis 🙂

  2. Rene

    Vielen Dank für den schönen Artikel. Einen besseren Start, in eine Woche der Selbstliebe, hätte ich mir nicht wünschen können.

  3. Kristina

    Liebe Eva, vielen Dank für diese wundervolle Erinnerung an die Selbstannahme, die habe ich heute echt gebraucht!:) Vielen Dank auch für die Kommentare und das Gefühl dass daraus entstanden ist, mich heute noch menschlicher fühlen zu dürfen! In Liebe und tiefer Dankbarkeit für euer Sein! Kristina D.L.

    • Eva Adelberger

      Es kommt immer alles zur rechten Zeit, liebe Kristina. Das Leben ist so weise und wirkt für uns und nicht gegen uns. Wir merken es nur nicht immer gleich

  4. Kerstin Steffens

    Liebe Eva, du schreibst und beschreibst deine Blogs immer so wunderbar. Ich arbeite seit November ganz intensiv mit meinem inneren Kind und seit ein paar Wochen mit der Vergebung. Und wenn ich aus tiefsten Herzen vergebe dann spüre ich wie alles ganz weit und weich wird in mir. Ich fühle Frieden. Das ist so heilsam….Ich bin auf dem Weg und die Angst und der Schmerz sind auch noch da und wollen gesehen werden. Dein Text heute hat mich sehr berührt und zu Tränen gerührt…. Danke dafür 🤗

    • Eva Adelberger

      Ich liebe es, Menschen zu Tränen zu rühren, liebe Kerstin 🙂 Tränen sind soooo heilsam und machen uns so weich und das tut uns so gut. Ich selbst arbeite ja gar nicht an mir und schon gar nicht intensiv. Ich bin achtsam und offen und lasse die Dinge lieber geschehen und staune dann, was sich auf einmal alles verändert hat. 🙂

  5. Tommi

    …dieses Gefühl, Eva…das Gefühl wenn sich das Herz weitet, ganz enorm weitet, die pure Liebe sich in dir selbst bis in die letzte Zelle deines Körpers ausbreitet und man wahrlich die ganze Welt für Ihre Herrlichkeit umarmen könnte…es ist auch für mich das schönste Gefühl das ich kenne.

    Seit Ende 2008, dem Zeitpunkt da ich es das erste Mal etwas bewusster habe fühlen können, ein klitzekleines Bewusstsein hierzu erstmalig erlebt habe…seit dem wächst es, zeigt sich immer mal wieder, immer häufiger…doch es bedarf in der Tat sehr viel Zeit, Mühe und Achtsamkeit das es sich festigen um letztendlich für immer „dazugehören“ zu können. 🙂

    LG

    • Eva Adelberger

      Du hast das Gefühl wunderbar beschrieben, liebe(r) ? Tommi. Wie schön, dass du es auch kennst 🙂

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