Mirabellenmus trifft Armani

Meine Gedanken zum Leben beginnen heute mit einem Mirabellenbaum.

Ein Tag wundervoller Arbeit liegt hinter mir. Mirabellen vom übervollen Mirabellenbaum pflücken, entkernen, in einem großen Topf für ein paar Stunden in den Backofen bis zum leckeren Mus im Glas. Ich lebe auf dem Land in einem kleinen Dörfchen mit einem großen Bauern-Garten, in dem wir unser eigenes Gemüse anbauen und Obst von unseren Bäumen ernten. Wir versorgen uns praktisch das ganze Jahr aus dem Garten und essen vegetarisch/vegan. Ich liebe es, Dinge einfach, natürlich und nach altem Brauch zu machen. Das gibt mir ein richtig gutes Gefühl.

 

Vielfalt macht lebendig

Ich bin immer neugierig und liebe die Vielfalt. Und deshalb habe ich vor ein paar Tagen auch mal wieder was für die Luxusprinzessin in mir getan, die ebenso in mir schlummert wie die Landfrau und die ab und an auch gelebt werden will.
Eigentlich wollte ich nur mein Handy reparieren lassen im Applestore in Frankfurt. Aber in der Wartezeit landete ich plötzlich in der Goethestraße mit ihren Luxusläden bei Armani & Co.
Nein, nein, dort habe ich nur die Schaufenster angeschaut. Aber im Galeria-Kaufhof hat mich ein schönes Kleidchen vom Label „Rich and Royal“ gefunden. Name passt – und es war durchaus erschwinglich. Und dazu kam noch eine tolle Tasche mit Henkeln, wie sie schon meine Oma hatte. Ich liebe es, alle Seiten in mir zu leben. Ganz in die Großstadt einzutauchen und dann wieder zurück in mein keines Dorf zu fahren, wo ich am Herd stehe und Mirabellenmus koche. Es ist jedesmal ein spannender, belebender Kontrast.

Doch auch in unserem kleinen Dorf leben nicht mehr viele so mit der Natur. Die Alten, die noch ihre Bauenrgärten bewirtschaftet und ihre Ernte verarbeitet haben, sterben langsam aus und die nächste Generation hat keine Zeit und kein Interesse mehr für Gemüse- und Obstgärten. Da reicht heute ein kleiner Vorgarten mit Rasen und ein paar pflegeleichten Ziersträuchern.

 

Einseitigkeit macht eng und starr

Genauso wie in den Vorgärten sieht es heute bei vielen Menschen auch im Inneren aus. Immer wieder erlebe ich in meinen Coaching-Sitzungen Menschen, die sich innerlich so eingeschränkt haben, dass sie fast wie starr wirken. Da gibt es keine große Bandbreite mehr an Gefühlen von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, keine Verrücktheiten, keine wagemutigen Aktionen, kein einfach mal was anders machen als alle erwarten, kein Ausbrechen aus alten, einschränkenden Mustern, keine Vielfalt und Farbe und Fülle im Leben.
Viele leben nur eine Seite von sich, auch gefühlsmäßig. Nur stark und nie schwach, nur mit angezogener Handbremse und nie Gas geben, nur in praktisch mausgrau und nie in prächtig bunt, nur möglichst nie auffallen, nie im Vordergrund stehen, angepasstes, ängstliches es allen recht machen wollen, festhalten an dem, was einem vermeintlich Sicherheit gibt und ja nichts daran ändern. Menschen, die immer in ihrer eigenen Welt bleiben und die der anderen verurteilen. Und ich glaube, das kennen wir auf die ein oder andere Weise alle von uns.

 

Du lebst nicht dafür, dich klein zu machen

Wenn es innen immer enger wird, wird es meist ungemütlich. Und genau deshalb sitzen dann Menschen bei mir oder woanders – weil wir nämlich so nicht auf Dauer leben können. Du bist nicht dafür hier, dich klein, grau, eng und reglos zu machen. Das ist nicht deine Natur. Es wurde dir so beigebracht, schon als Kind. Du hast dich angepasst weil es praktischer war für andere, die selbst Angst hatten. Die sich selbst nicht getraut haben, laut, bunt, wild und verrück zu sein.
Viele Klienten erzählen mir am Anfang von ihren Lebenssituationen, in denen sie sich gefangen fühlen, sich im Kreis drehen, keinen Ausweg sehen und oft die anderen für ihre missliche Lage verantwortlich machen. Und oft höre ich dann Sätze wie: Ich bin halt so, das ist einfach meine Art, ich bin schon immer zurückhaltend gewesen, ich bin so emotional, ich bin keiner, der sich in den Vordergrund stellt, usw. Und die meisten denken, dass sich das auch nicht ändern lässt und dass sie deshalb eben Probleme im Leben haben. Der perfekte Teufelskreislauf.

 

Deine Natur ist so vielfältig

Es ist immer und jederzeit möglich, dich zu verändern. Zu beginnen, all das zu leben, was du dir bisher verboten hast – aus Angst, keine Wertschätzung, keine Anerkennung und keine Liebe von anderen zu bekommen. Wir sind nicht klein, grau, eng und reglos geboren. Wir haben uns dazu machen lassen. Und wir brauchen heute so dringend mutige, bunte, aufrechte, emphatische und weit denkende Menschen, die die Welt auch in Zukunft lebenswert gestalten.
Du darfst alles an dir wertschätzen und integrieren und brauchst dich nicht verstellen oder für irgendetwas schuldig fühlen.
Ich mag alles an mir, die Landfrau und die Luxusprinzessin, die Starke und die Schwache, die Traurige und die Fröhliche, die Stille und die Laute. Das Leben ist so schön vielseitig bunt und es darf intensiv gelebt werden. Alles an dir, ohne Ausnahme.

Du kannst jederzeit ein Mensch sein, der mutig Dinge verändert und sich so zeigt wie er ist, voller Mitgefühl für sich und andere. Und ich sehe es als meine Aufgabe und Berufung an, dir einen Weg dorthin zu zeigen. Damit du deine wahre, bunte Natur leben kannst – in Freiheit, Freude, Fülle und in Achtung und Wertschätzung vor dir und anderen.

Lets go for diversity !

 

2 Kommentare zu: “Mirabellenmus trifft Armani”

  1. Sandra

    Danke für deine aufmunternden Worte.
    Bin gerade von Berlin aufs Land gezogen und schiebe gerade eine Panikattacke nach der Nächsten. Das aber bestimmt nur deshalb, weil irgendwer, irgendwann einmal irgendwas gesagt hat, was eventuell, also vielleicht mal eintreten könnte…
    Aber leider frisst mich DAS gerade innerlich auf und hält mich wach und kostet Kraft ohne Ende…
    Deshalb werde ich dein Geschriebenes ganz oft lesen und mich daran ‚festhalten‘!
    Danke!!

Kommentar schreiben

XHTML: Du kannst diese HTML-Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Zum Kommententieren werden personenbezogene Daten wie die E-Mail-Adresse und der (Nutzer-)Name gespeichert. Mit Absenden des Kommentars erklärst du dich damit einverstanden. Weitere Informationen dazu findest du in der Datenschutzerklärung.

Alle Blogartikel