Manchmal kommt es anders als man denkt – oder wie meine Oma zu sagen pflegte: Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Letztes Wochenende stand ein Seminar an, für das ich mich schon lange angemeldet hatte und auf das ich mich sehr gefreut hatte. Es war ein Treffen mit meiner ehemaligen Ausbildungsgruppe und unserer Lehrerin, die diese Fortbildung extra für uns organisiert hatte. Ich war gespannt, wieder etwas Neues zu lernen, neue Impulse zu bekommen und vielleicht heilsame innere Prozesse zu erleben. So kannte ich es von den bisherigen Treffen und so erwartete ich es auch diesmal. Ich hatte alle Utensilien eingepackt, Notizbuch dabei und nach einer anstrengenden 4 Std. Freitag-Nachmittag-Autobahnfahrt kam ich erschöpft und erwartungsfroh an.
Bei meiner Ankunft stellte sich jedoch heraus, dass das Seminar schon im Vorfeld wegen mangelnder Teilnehmerzahl abgesagt worden war und das Wochenende einfach nur ein Beisammensein mit denen war, die trotzdem gekommen waren – ohne Programm und Seminarinhalte. Auch das war bereits im Vorfeld untereinander kommuniziert worden, aber an mir total vorbeigegangen. Ich hatte es trotz vieler Mails und Kontakte vorher einfach nicht mitbekommen. Entsprechend konsterniert stand ich da und konnte es gar nicht fassen, dass nun nicht das stattfinden sollte, was ich erwartet hatte und worauf ich mich eingestellt und gefreut hatte.

Meine 3 ersten Gedanken in dem Moment waren:
„Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht extra den weiten Weg gekommen, nur für ein ‚einfaches’ Beisammensein.“
„Ich kann doch jetzt hier nicht einfach 3 Tage faul herumhängen ohne Sinn und Zweck, da hätte ich besseres zu tun gehabt.“
„Das wird mir leider jetzt gar nichts bringen und am besten fahre ich wieder nachhause und gestalte mein Wochenende sinnvoller.“
Ich war wirklich total fassungslos, frustriert und enttäuscht. Gleichzeitig mit diesen Gedanken wurde mir aber auch sofort bewusst, wie sehr ich gerade auf Effektivität und Struktur ausgerichtet war, auf ein Programm, das nun ablaufen sollte, das mir mehr Wissen und Selbsterfahrung bringen sollte und wofür ich auch bereit war, etwas zu leisten, etwas zu tun. Und jetzt gab es auf einmal gar nichts zu tun!
Ich blieb da, weil ich mich auch freute, liebe Menschen zu sehen, die ich lange nicht getroffen hatte, aber ich brauchte wirklich ein paar Stunden, um den inneren Wechsel zu vollziehen von meinen Erwartungen eines engagierten und konzentrierten Seminars in den Modus des einfach geschehen Lassens. Und mir fiel auf, wie oft wir im Leben Aufgabe um Aufgabe erfüllen, wie wir sozusagen täglich pausenlos Aufgaben nacheinander abarbeiten, sei es, unseren Alltag zu organisieren, unsere Arbeit zu schaffen, unsere Zukunft zu planen, ‚sinnvolle’ Freizeit zu verbringen – alles was wir machen, muss für etwas gut sein, muss uns weiterbringen, muss uns vervollkommnen oder uns von etwas befreien oder erlösen. Wir glauben tatsächlich, dass wir viel dafür tun müssten, dass wir wie in der Schule Aufgaben erfüllen müssten, damit wir versetzt werden, damit wir weiterkommen, egal ob auf der materiellen oder spirituellen Ebene.
Aber das Leben ist keine immerwährende Abfolge von Aufgaben, die es zu erfüllen gilt und die wir nacheinander abhaken. Das eigentliche Leben geschieht, wenn wir den Plan einfach mal ändern oder aufgeben oder uns darauf einlassen, dass das Leben selbst unsere Pläne einfach umschmeißt, wie in meinem Fall.

Es wurde das schönste, harmonischste, unanstrengendste Wochenende für mich seit langem.
Die Zeit floss einfach dahin, vollkommen planlos ergaben sich wunderbare Gespräche, morgens noch im Schlafanzug mit einer Tasse Tee in der Hand, kleine Spaziergänge, miteinander essen und am Feuer sitzen, viel Lachen, das schöne Gefühl, mit Menschen zu sein, die mir seit langem vertraut sind und auch einfach Zeit für mich haben.
Es war eine wunderbare, intensive, tiefe und vollkommen überraschende Selbsterfahrung, die das Leben mir da in seiner großen Weisheit geschenkt hat. Ohne dass ich was tun musste oder mich anstrengen musste. Beim Abschied fiel mir der Spruch meiner Oma ein, den ich so oft von ihr gehört habe: „Der Mensch denkt und Gott lenkt.“ Es wäre doch alles viel leichter, wenn wir viel öfter auf diese Lenkung vertrauen würden und uns unsere anstrengenden Planungen, Gedanken und Grübelein einfach mal sparen und uns dem Fluss des Lebens hingeben. Der fliesst auf jeden Fall immer vorwärts und nie zurück und schenkt uns die allerbesten Erfahrungen.

Von Herzen – Eva

4 Kommentare zu: “Manchmal kommt es anders als man denkt – oder wie meine Oma zu sagen pflegte: Der Mensch denkt und Gott lenkt.”

  1. Kerstin Steffens

    Liebe Eva.

    Was für eine herrliche Geschichte. Mir passiert das im Moment andauernd und ich kann es sogar ein Stück weit genießen ohne schlechtes Gewissen. So nach dem Motto: Ich muss…
    Dabei denke ich oft an deine vergangenen Zeilen: ….Hole nicht immer die größtmögliche Effizienz heraus – Ändere einfach mal deinen Plan…. werde Sinn- Licher. Diese Zeilen habe ich auf meinem Küchentisch „handgeschrieben“ liegen. Von Herzen Danke

    • Eva Adelberger

      Wie schön, liebe Kerstin. Der Küchentisch ist ein guter Ort für Veränderungen 🙂 Und handgeschrieben – dann kommt es auch von dir. Super, mach weiter so 🙂

  2. Evelyn

    Hallo Eva,
    Der Spruch ist so wahr.
    Ein ähnliches Erlebnis hatte ich neulich auch! Erst war es schwierig und dann einfach gut.
    Danke, liebe Eva!

    Herzliche Grüße
    Evelyn

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