Die Zeit heilt keine Wunden – das kannst nur Du selbst tun.

Fast alle von uns gehen mit einer oder mehreren schlecht verheilten Wunden aus der Vergangenheit durchs Leben. Und immer wurden dir diese Wunden augenscheinlich von anderen Menschen zugefügt. Seien es die Eltern, der Partner oder Expartner, die Geschwister, Freunde oder andere wichtige Menschen in deinem Leben. Viele Menschen glauben, dass diese Wunden besser heilen, wenn sie sich aus der Gefahrenzone bringen, also den Kontakt mit diesen Menschen meiden und so Gras darüber wachsen lassen. Diese Annahme ist jedoch ein Irrtum. Sich nicht mehr mit dem Menschen zu konfrontieren, der schmerzhafte Gefühle in dir auslöst, bewirkt lediglich eine Art Vereisung, die deinen Schmerz betäubt.

Früher gab es auch in meinem Leben einige Menschen, mit denen ich nichts zu tun haben wollte, die mich enttäuscht oder genervt haben und die ich dafür verurteilt und verachtet habe. Je nach Schwere ihrer Vergehen habe ich sie gemieden oder wollte sie am liebsten aus meinem Leben streichen. Bei manchen ging das, bei anderen nicht. Sie blieben da und meine schlechten Gefühle genauso. Immer wieder wurde wurde ich mit dem Schmerz konfrontiert. Und das war gut so, denn irgendwann wurde mir bewusst, dass mein Gegenüber nur dann Enttäuschung, Wut, Ohnmacht oder Minderwertigkeitsgefühle in mir auslösen konnte, wenn ich dafür empfänglich und anfällig war. Ich erkannte, dass ich diese Verletzung schon viel, viel länger in mir trug, wie eine schlecht verheilte Wunde und der aktuelle Anlass hatte sie wieder aufplatzen lassen und zum Bluten gebracht.

Diese schlecht verheilten Wunden tragen wir alle seit unserer Kindheit mit uns. Sie sind dir als Kind zugefügt worden, als du wehrlos warst und geglaubt hast, was deine Eltern dir über dich vermittelt haben. Das was dir heute geschieht, ist meist die Wiederholung dessen, was du schon einmal erlebt hast in ähnlicher Form. Die Protagonisten haben gewechselt, aber das Stück wurde schon einmal gespielt.
Als ich das erkannt hatte, habe ich begonnen, diese alten Wunden, die im Wesentlichen immer in Selbstverurteilung bestehen, in mir zu heilen. Ganz langsam, nach und nach.
Noch sind nicht alle ganz zu, aber seitdem mir diese Zusammenhänge klar geworden sind, sehe ich jeden Menschen, der sozusagen Salz in meine Wunden streut, der in mir sogenannte ‚negative’ Gefühle auslöst, als ‚Heilmittel’ an. Ich kann dadurch genau spüren, wo es noch brennt und meine Aufmerksamkeit auf die Heilung legen, statt meine Energie auf die Verurteilung und Verachtung anderer zu lenken.

„Wer anderen nicht verzeihen kann, zerstört die Brücke, über die er selbst gehen muss.“

Diese Brücke zu betreten und letztlich zu überschreiten ist nicht die Aufgabe des Anderen, der dich verletzt hat, sondern deine. Sie erfordert manchmal viel Mut und du findest den Weg nur, wenn du bereit bist, die Vereisung in deinem Herzen aufzutauen und den Schmerz nochmal zu spüren. Wenn du die Gefühle, die hinter dem Schmerz sind, fühlen kannst, beginnt die Heilung und dann kannst du mehr und mehr Frieden mit deiner Vergangenheit und den Menschen, die dir begegnet sind finden.

Von Herzen  – Eva

 

 

4 Kommentare zu: “Die Zeit heilt keine Wunden – das kannst nur Du selbst tun.”

  1. Christiane Hagel

    Liebe Eva, wir sehen uns nicht oft, aber von dir und durch deine Kommentare geht so viel Verbindlichkeit, so viel Verbindung mit Menschen aus. Das kann man einfach genießen und weitergeben. Danke, Christiane

    • Eva Adelberger

      Das freut mich sehr, liebe Christiane. Schön, wenn wir uns gegenseitig inspirieren können.

  2. Gabriele Heinrich

    Guten morgen liebe Eva ,
    Es ist immer schön sich bei dir rein zu lesen, du gibst mir immer wieder Mut und Zuversicht . Ich danke Dir .
    LG Gabi

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