Die Sucht, gebraucht zu werden und wie du davon loskommst

Während eines Coachings notiere ich unter anderem immer den oder die inneren Glaubenssätze, die ich gemeinsam mit dem Klienten bei der Betrachtung seiner Kindheit finde. Würde ich eine ‚Hitliste’ davon erstellen, kämen diese 3 auf jeden Fall auf die ersten Plätze:

  • Ich bin nicht liebenswert
  • Ich bin nicht gut genug
  • Ich muss mich anstrengen bzw. kämpfen

Diese 3 Erfahrungen haben wir fast alle auf irgendeine Art in unserer Kindheit gemacht und entsprechend abgespeichert. Die daraus resultierenden Überzeugungen beeinflussen oft bis heute unbewusst unsere Gefühle und Handlungen.
Aber es gibt auch andere Glaubenssätze, die sich nicht so leicht zeigen, die ein bisschen diffiziler sind und sich noch unter den oben genannten verstecken. Weil sie noch mehr weh getan haben. Dazu gehört die Erfahrung, als Kind nicht wichtig gewesen zu sein bzw. nicht gebraucht worden zu sein. Dass Kinder diese Erfahrungen machen, ist überhaupt nicht selten, wenngleich es mehr Mädchen als Jungen betrifft.

Es ist eine der existentiell bedrohendsten Erfahrungen, nicht wichtig zu sein.

Hier ein paar Beispiele, in welchen Fällen sich ein Kind als nicht wichtig bzw. überflüssig erfährt, die ich so schon oft in meiner Praxis erlebt habe:

  • Ein Mädchen wird als drittes oder viertes Kind geboren, nachdem schon ein Mädchen und ein Junge da sind, die im Prinzip die Bedürfnisse der Eltern an Kinder bereits erfüllen.
  • Es gibt ein krankes oder schwieriges Geschwisterkind, das alle Aufmerksamkeit der Eltern fordert.
  • Die Eltern haben existentielle oder familiäre Sorgen und Probleme und nehmen ihr Kind überwiegend als Störfaktor wahr.
  • Die wahrscheinlich häufigste Ursache, dass ein Kind die Erfahrung macht, nicht wichtig zu sein und nicht gebraucht zu werden, ist die, dass Eltern mit sich selbst nicht wertschätzend und aufmerksam umgehen und deshalb auch ihrem Kind nicht das Gefühl geben können, wertvoll und wichtig zu sein.

Kinder sind hochsensible Wesen und spüren die Gefühle und inneren Haltungen ihrer Eltern sehr genau, auch wenn diese sie nie verbal äußern bzw. sich selbst nicht eingestehen. Das Gefühl, zu nichts nutze zu sein, nicht gebraucht zu werden und damit unwichtig zu sein, erschüttert ein Kind tief in seiner Existenz und ist extrem verunsichernd und irritierend. Außerdem tut es weh und weil das so ist, setzt ein Kind alles daran, sich eine Daseinsberechtigung zu schaffen – einfach um zu überleben.

Erkennst du dich in den folgenden Verhaltensweisen wieder?

  • Du kümmerst dich mehr um das Wohlergehen anderer als deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen?
  • Du denkst, Selbstlosigkeit ist eine Tugend und nimmst mehr Rücksicht auf andere als auf dich selbst?
  • Du hältst zu lange in dich belastenden Situationen und Beziehungen aus?
  • Du hast für alle anderen eine Entschuldigung, aber gehst mit dir selbst mitleidslos ins Gericht?
  • Dir fällt es schwer, Nein zu sagen?
  • Du hast Schwierigkeiten, deine Gefühle zu erkennen?
  • Dir ist es unangenehm, Anerkennung, Lob oder Geschenke anzunehmen?
  • Du erfährst deine Lebensberechtigung im „Gebraucht werden“?

Wenn etwas davon auf dich zutrifft, dann hast du mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bereits als Kind beschlossen, dich nützlich zu machen, um das nagende Gefühl des ‚zu nichts Nütze sein‘ nicht zu spüren. Und vielleicht hast du sogar die Redewendung gehört „Du bist ein Nichtsnutz, ein Taugenichts.“ Wie gesagt, das Gefühl, wertlos zu sein ist einer der am schlimmsten zu ertragenden Zustände.

Du hast dir selbst als Kind die Flügel gestutzt.

Dieses Bild sehe ich oft vor mir, wenn ich höre, was ein Kind getan hat, um emotional zu überleben. Sich anzupassen, sich nützlich zu machen und alles dafür zu tun, um doch irgendwie gebraucht zu werden hat nämlich zur Folge, dass du dir das versagst, was eigentlich das natürlichste für ein Kind wäre: Sich ausprobieren, unbeschwert sein, Lachen, sich leicht fühlen, spielen, tanzen, hüpfen und springen. Wenn du als Kind nicht die absolute Sicherheit hast, dies alles gefahrlos tun zu können, wird es still und leise in dir und du lebst wie ein Vögelchen mit gestutzten Flügeln.

Die Sucht, gebraucht zu werden, ist eine Überlebenstaktik aus deiner Kindheit.

Diese Sucht ist eigentlich eine Suche. Eine Suche nach dem Gefühl des Aufgehobenseins, des selbstverständlichen Dazugehörens ohne dafür etwas leisten zu müssen, des sich wertvoll und geschätzt Fühlens. Wie bei allen Süchten ist jedoch auch in diesem Fall die Wahl des Suchtmittels wenig geeignet, um diesen angestrebten Zustand wirklich dauerhaft zu erreichen. Im Gegenteil, solange du dir der Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht bewusst bist, bleibst du weiter unbewusst in deinem kindlichen Verhalten stecken und wirst nur schwer aus der Aufopferungs-Spirale heraus finden.

Was würde geschehen, wenn dir jemand dein Suchtmittel, das „Gebrauchtwerden“ verweigert?

Diesen Fall erleben wir als Eltern z.B. oft, wenn Kinder erwachsen werden, uns ganz klar zeigen, dass sie uns nun nicht mehr brauchen oder aus dem Haus gehen. Für viele „Süchtige“ bricht da eine Welt zusammen und die Entzugserscheinungen können sich ziemlich schmerzlich anfühlen. Doch solche Situationen sind gleichzeitig auch eine gute Gelegenheit, endlich eine Veränderung einzuleiten.

Jede Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt.

Der erste Schritt jeder Veränderung ist immer das Zulassen und Annehmen deiner momentanen Befindlichkeit und Situation. Dass du aufhörst, dich für ein Verhalten zu verurteilen, das dir in deiner Kindheit dein Überleben gesichert hat. Und Mitgefühl für dieses Kind in dir aufbringst, dessen Ängste immer noch deine Handlungen bestimmen.
Ganz natürlich resultiert daraus der zweite Schritt, nämlich dich selbst wichtiger zu nehmen. Dir selbst Aufmerksamkeit zu schenken und genau hinzuspüren, welche deine Bedürfnisse sind, mit denen du dich wohl fühlen würdest.
Und um die innere Veränderung auch wirklich in dein Leben zu bringen, braucht es auch ein wenig Mut. Den Mut, Ja zu dir zu sagen und für andere nur in dem Maße da zu sein, wie du es möchtest und wie es dir gut tut.
Das erfordert Achtsamkeit für die Gegebenheiten des Alltags und wird nicht in jedem Fall von Heute auf Morgen gelingen. Viel wichtiger ist, dass du lernst, dir selbst mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu schenken und das kann auch in kleinen Dingen beginnen.

Die Sucht, gebraucht zu werden ist weit verbreitet
und kommt oft in einem ganz harmlos scheinenden und gesellschaftlich akzeptierten Mäntelchen daher. Sie wird dann Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Gutes tun usw. genannt. Dein Maßstab sollte immer sein, dir ehrlich einzugestehen, ob du dich damit wirklich wohl fühlst, viel für andere zu tun oder ob es dich belastet. Wenn es überwiegend eine Belastung für dich ist, solltest du bald etwas ändern.
In meinen Coachings führe ich dich begleitend durch diesen Prozess von der Aufopferung zur gesunden Selbst-Wertschätzung und Selbst-Bestimmung. Ich zeige dir, wie du gut für dich selbst sorgst ohne den anderen zu vernachlässigen.

Wenn du schon bald etwas wirklich Gutes für dich tun möchtest, empfehle ich dir auch mein nächstes Retreat „Probleme-Fasten“, an dem du ab 20. März 2018 online von zuhause teilnehmen kannst.
Hier findest du alle Infos zu diesen außergewöhnlichen Fastentagen.  Online-Retreat Probleme-Fasten

In meinen Seminaren „Die Reise zu Dir“ auf der kroatischen Insel Vis widmest du dich eine Woche lang nur dir selbst und lernst, achtsam in dich hineinzuspüren und innere und äußere Veränderungen in deinem Leben anzustoßen.
Im September 2018 sind noch Plätze frei.
Die Reise zu dir / Vis-Kroatien

Mögest du schon bald erkennen, dass du ein unendlich wertvoller und geliebter Mensch bist.

Von Herzen – Eva

 

 

 

 

4 Kommentare zu: “Die Sucht, gebraucht zu werden und wie du davon loskommst”

  1. Evelyn

    Liebe Eva, was du schreibst, kann ich nachvollziehen und verstehe es . Seitdem ich mich mit den Büchern von Robert Betz beschäftige, habe ich schon viele Erkenntnisse über mein Leben gewonnen und habe mich auf jeden Fall weiterentwickelt. Es geht Schritt für Schritt und dauert seine Zeit. Und immer wenn ich denke: Ja, ich bin gewachsen, kommt eine Situation, die mir vor Augen hält, dass mein inneres Kind noch ganz schön verwundet ist. Zur Zeit leide ich an einem grippalen Infekt mit hartnäckigem Husten, Schnupfen und allgemeiner Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit. Ich weiß, dass ich diesen Infekt auf Grund einer stressigen Zeit nicht abwehren konnte. Da ich Selbständig bin, habe ich mir nicht gewagt, mein Geschäft zu schließen. Jetzt ging es jedoch so schlecht, dass ich für drei Tage mein Café, welches ich allein bewirtschaftet, schließe. Das hat mich Überwindung gekostet und mir ein schlechtes Gewissen verursacht. Aber auf Grund der schlechten Witterung und es Wochentage sind, habe ich mich doch dazu entschlossen. Jetzt merke ich, dass mir die Ruhe unheimlich gut tut und ich am Wochenende mit neuer Kraft ans Werk gehen kann. Ich habe meine anfänglichen Bedenken überwunden und bin froh über diese Entscheidung. Aber ich weiß auch, dass die nächste Herausforderung und Bewährungsprobe schon irgendwo auf mich wartet…
    Danke für deine Worte und Danke für deine Erinnerung
    Herzlichst Evelyn

    • Eva Adelberger

      Liebe Evelyn, das hast du gut gemacht mit deinem Café. In unserer Stadt gibt es auch ein inhabergeführtes Café, das jetzt länger geschlossen hatte aufgrund der Krankheit des Betreibers. Er hatte ein sehr nettes Schreiben an der Tür hängen und die Lage erklärt und jeder hat es verstanden.
      Du bist wichtiger als ein Paar Leute, die mal keinen Kaffee bekommen.
      Love – Eva

  2. Hans Simon

    Es sind immer wieder zwei große Mächte die unser Leben beeinflussen:
    Die Macht des Unterbewusstsein.
    Die Macht der Gewohnheit.
    Die Macht des Unterbewusstsein ist die Programmierung die wir als Kind erhalten haben,
    Diese zu erkennen und zu ändern wird wohl das letzte drittel meines Lebens in Anspruch nehmen.
    Die Macht der Gewohnheit ist meine Umgebung ich kenne sie sie ist nicht gut aber ich habe gelernt mit ihr zu leben.
    95% aller Situationen kenne ich, ich reagiere automatisch ich überlebe, Warum soll ich ins Unbekannte gehen, soziale Kontakte aufgeben
    mir ein neues Leben aufbauen Veränderung bedeutet Energie ins unbekannte zu investieren ich verlasse meinen Berg gehe in ein Tal um einen neuen besseren höheren Berg zu erklimmen ohne Garantie, warum soll ich das tun. Ich habe das alles hinter mir gelassen auch meine Süchte die ich hatte. Der Berg von dem ich komme ist heute nur noch ein Hügel
    In der Zukunft Hans Simon.

    • Eva Adelberger

      Lieber Hans, für mich gibt es einen wesentlichen Unterschied von Leben zu Überleben. Wenn es für dich momentan ein Überleben ist und du dich damit eingerichtet hast – alles Gut. Jeder hat die Wahl, wie er leben möchte.
      Love – Eva

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