Annehmen statt Anstrengen – dann läuft’s wie von selbst

Vor zwei Wochen ist wieder eines unserer einzigartigen Seminare auf der kroatischen Insel Vis mit 12 ganz wundervollen Menschen zu Ende gegangen. Das Programm der Seminare mit dem  Titel „Die Reise zu Dir“ bedeutet: Zu dir selbst kommen, einmalige Naturerfahrungen machen, Gemeinschaft erleben und neue Erkenntnisse über dich und das Leben gewinnen. So individuell die Geschichte jedes einzelnen Teilnehmers ist, fällt mir bei unserer ersten Gesprächsrunde, wenn wir über unsere Erwartungen und Wünsche sprechen, doch immer eine Gemeinsamkeit auf:
Fast alle Teilnehmer denken und sagen, dass sie sich verändern möchten, ja verändern müssen, dass sie noch viel an sich arbeiten wollen und schon viel an sich gearbeitet haben, und dass ihr Leben einfach noch nicht gut sein kann, weil sie selbst noch nicht gut und perfekt genug sind. Und dass es noch ein langer, schwieriger Weg bis dahin sein wird. Und alle sind wirklich bereit, etwas dafür zu tun und sich anzustrengen, offener zu werden, besser mit ihren Emotionen umzugehen, klarere Entscheidungen zu treffen, leichter zu leben und sich weiterzuentwickeln.

 

„Go for it“ kann ganz schön anstrengend sein

Vielleicht kennst du den Gedanken auch „Ich muss mich mehr anstrengen, wenn ich Dinge erreichen will.“ Überall wird dir heute suggeriert, dass es von deiner Einsatzbereitschaft abhängt, wie die Dinge laufen, dass du dich für alles, was du erreichen willst engagieren und ins Zeug legen musst. „Go for it“ heißt nichts anderes als „Sei aktiv, sei kreativ, mach was, pack es an, sei motiviert, streng dich an.“
Sei es dein Business voranzubringen, den Handwerkern mehr Druck zu machen, die Kinder in der Schule mehr anzuspornen, mehr und besseren Einsatz im Beruf zu zeigen, deinen Tag optimaler zu strukturieren, deine Partnerschaft auf Vordermann zu bringen, mehr Motivation zu zeigen, mehr Engagement für deine Freundschaften, alle Chancen und Gelegenheiten ergreifen, dich spirituell weiter zu entwickeln – Ja, auch dafür strengen sich viele unglaublich an. Und spüre mal in dich hinein, ob du auch solche Gedanken kennst: Ich muss loslassen lernen, ich muss dankbar sein, ich muss das Positive sehen, Ich muss glücklich sein. Spiritueller Druck vom Feinsten.

 

Womit machst du dir Druck?

Du kannst die Liste gerne für dich selbst weiterführen und schauen, wo du das Gefühl hast, du darfst nicht nachlassen in deiner Anstrengung, musst immer am Ball bleiben, sonst gehts den Bach runter und läuft schief. Wenn du ehrlich in dich reinspürst, ist da eine ganze Menge, wofür du glaubst, dich anstrengen zu müssen. Und wenn du dir Zeit nimmst und noch genauer in dich reinfühlst, dann kannst du den riesigen Druck wahrnehmen, der auf deinen Schultern, deiner Brust, deinem Kopf, deinem Bauch oder woanders in deinem Körper dadurch entsteht.

Wenn wir ehrlich sind, haben wir doch eigentlich gar keine  Lust, immer motiviert zu sein, immer on Top zu sein, immer Alles zu geben oder immer positiv zu sein und alle Zweifel wegzustrahlen. Nur haben wir den Glauben daran verloren, dass es auch anders geht. Dass sich Dinge auch von selbst entwickeln und geschehen können. Und wenn sie es nicht tun, dass es nicht immer an unserem mangelnden Einsatz liegt, sondern dass vielleicht manche Dinge jetzt gar nicht dran sind und wir einfach nur abwarten und nichts tun dürfen. Und einfach NICHTS zu tun, ist heute ja so dermaßen aus der Mode gekommen, dass wir es langsam verlernen oder vielleicht auch noch nie richtig praktiziert haben. Dabei geschieht gerade in diesem Nichts-Tun so viel.

 

Nichts tun müssen entlastet

Am Ende einer Sitzung fragen mich Klienten manchmal, was sie denn bis zum nächsten Termin jetzt weiter tun können, welche Aufgaben denn jetzt als Nächstes kommen, die sie erledigen sollen oder wie sie in der Zeit jetzt weiter an sich arbeiten können. Ähnlich wie in der Schule, wo man bis zum nächsten Tag die Hausaufgaben bekommt und dann erledigen muss.
Ich antworte dann oft, sie sollen einfach – besonders wenn es eine sehr intensive Sitzung war, und das sind die meisten – dem, was sie erfahren haben, in sich Raum geben, es in sich bewegen, ohne bestimmtes Programm und dem Leben Gelegenheit geben, die Veränderungen wirken zu lassen und das Neue langsam in ihnen zu entfalten.
Die meisten spüren dann eine ungeheure Erleichterung, dass sie gar nichts machen müssen, das ES für sie geschieht. Und so ist es tatsächlich. Denn wir dürfen viel öfter Innehalten und es einfach mal gut sein lassen. Es ist jetzt im Moment gut so wie es ist. Wir, Du und Ich, sind jetzt gut so wie wir sind.

 

Selbstoptimierung ist ein hartes Brot

Es geht nicht darum, dich für irgendetwas in der Zukunft anzustrengen, dafür, irgendwann ein besserer, liebenswerterer Mensch zu sein in dem Glauben, dass das noch ein langer, schwerer Weg sei und du deine Zeit jetzt damit verbringen solltest, dich auf diesem Weg anzutreiben und in deiner Anstrengung nicht nachzulassen. Der Fokus meiner Coachings, Seminare und Texte liegt immer darauf, dir zu sagen, dass mit dir alles in Ordnung ist, dass du dich und dein Leben genauso annehmen darfst wie es ist, das du dich und dein Leben nicht krampfhaft verändern musst um etwas zu erreichen.
Annehmen, es gut sein lassen, einverstanden sein, es akzeptieren – all das bewirkt ohne dein Zutun und deinen Einsatz viel größere Veränderungen, als du dir vielleicht vorstellen kannst.

 

Du darfst es dir leicht machen

Du „musst“ gar nichts. Glück, Freude, Erfüllung und Erfolg sind kein ‚Lohn’ für deine Anstrengung, sondern entstehen durch deine Hingabe an das Leben, durch die Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit, die du dir selbst schenkst und die Achtsamkeit gerade für die vielen kleinen Dinge im Leben.
Auch Misserfolg, Leid, Schwierigkeiten, Krankheit und Schmerz sind keine ‚Strafe’ dafür, dass du nicht genug getan hast, sondern entstehen meist dadurch, dass du zuviel  getan hast. Und dich selbst vergessen hast, deine Gefühle nicht mehr wahrgenommen hast und dich selbst verurteilt hast.

Dein Leben läuft ab, jede Minute, jede Stunde, jeden Tag. Wichtig ist: Wie gehst du mit dem um, was dir begegnet? Wenn du dir selbst liebevoll zugewandt, mitfühlend, nachsichtig, aufmerksam, wach, der Wahrheit nachspürend begegnest, hast du die beste Basis dafür, dass sich Veränderungen immer leichter vollziehen können und das Leben nicht mehr so oft Anstrengung und Mühe bedeutet. Und dann wird mehr und mehr alles wie von selbst gehen. Und das wünsche ich dir und mir immer öfter.

 

Von Herzen – Eva

8 Kommentare zu: “Annehmen statt Anstrengen – dann läuft’s wie von selbst”

  1. Verena

    wunderbar wunderbar wunderbar…
    vielen ndak!
    Genau, Nichtstun wird so unterschätzt, wir wollen immer noch machen machen machen. Auf der „Eso“schiene dann leider oft genau so wie im“Arbeits“leben. Selbstoptimierung ist Selbstausbeutung 🙂 Nichtstun ist Faulheit und das gehört sich nicht. Bäh!
    Ich höre Robert Betz: da muss man an sich arrrrbeiten 🙂
    Danke, liebe Eva, wie immer genau richtig!

    • Eva Adelberger

      Wir haben es als Kinder schon so gelernt, liebe Verena, dass man sich alles erarbeiten muss, unsere Eltern und Großeltern waren nach den Kriegsjahren so geprägt. Aber wir dürfen uns heute wieder daran erinnern, das das Leben nicht nur aus Anstrengung besteht.

  2. Beate

    Guten Morgen, Eva
    Der Text kommt im richtigen Moment und deine Worte tragen gute Frucht
    … ich finde das treiben lassen so wohltuend… beobachten und gucken.. etwas sehr schönes. Hier und da ein Schwätzchen halten … ist wie Urlaub für meine Seele
    Danke 🌾🎋🍂
    Sonnige Herbstgrüsse
    Beate

    • Eva Adelberger

      Ja, liebe Beate, dieses sich treiben lassen empfinde ich auch immer als wohltuende Nahrung für meine Seele. Und hier auf Vis gibts besonders viel davon.

  3. Waltraud Beyer-Raab

    Liebe Eva,
    danke für deine wohlwollenden Worte. Das ist eine Entlastung !!!!!! für mich.
    Ich erlaube mir immer öfter, einfach nichts zu tun. Und das tut soooooo gut.
    Liebe Grüße
    Waltraud

    • Eva Adelberger

      Unser Körper und unsere Seele merken eigentlich immer, was ihnen gut tut. Wir nehmen uns nur nicht mehr die Zeit, darauf zu hören.

  4. Heidi

    du sprichst mir grade aus dem Herzen ♥️ Liebe Eva. Lese dich auf FB und seit ich im Mai einen Hörsturz hatte, genieße ich die Momente des Nichts tun müssen, in mir zu ruhen, wie eben im Garten zu sitzen, die warmen Sonnenstrahlen fühlend und deine Worte wahrnehmen.
    Lieben Dank dafür

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