Das Geschenk der Freundschaft

Ich freue mich, dich zur heutigen 5. Rauhnacht willkommen zu heißen.

Vielleicht hast du in den vergangenen Tagen schon erfahren, wie heilsam und erdend der bewusste Aufenthalt in der Natur ist. Ich kann es nicht oft genug betonen: Es ist das Beste, was du für dich tun kannst. Gerade während der Rauhnächte, die ja eigentlich aus der Natur und ihren Rhythmen bestehen. Da liegt es einfach nahe, sie auch in der Natur zu zelebrieren statt daheim vor einem Bildschirm.

Wir haben heute den natürlichen Kontakt zur Erde fast vollständig verloren. Die Auswirkungen davon sind das Gefühl der Entwurzelung, Unsicherheit und Angst. In unserer sich rasant immer mehr technisierenden Welt hängt unsere vermeintliche Sicherheit immer mehr von Maschinen und Technik ab, die jederzeit versagen können. Das erleben wir ja gerade in diesem Winter sehr deutlich.
Die Natur und die Erde unter deinen Füßen sind dagegen immer da. Und – wie meine schamanische Lehrerin vor vielen Jahren sagte: Du kannst nie tiefer fallen als auf die Erde.
Suche den Kontakt, die Verbindung mit ihr. Mit allen Sinnen. Du entstammst aus ihr und dein Körper wird einst in sie zurückkehren.

 

Das Geschenk der Freundschaft

Auch Freundschaften und Verbindungen zu Anderen schenken uns Sicherheit.
Manche unserer Freundschaften sind ja in den letzten Jahren auf eine Bewährungsprobe gestellt worden. Freunde und Freundinnen, von denen wir dachten, wir wären gut mit ihnen verbunden und hätten die gleichen Ansichten über das Leben, entwickelten sich plötzlich in eine andere Richtung  und zwischen nicht wenigen taten sich richtige Gräben auf.
Nicht selten haben ich den Satz gehört: „Mir sind fast gar keine Freunde mehr geblieben.“
Dafür entwickeln sich bei vielen Menschen gerade wertvolle neue Begegnungen und Freundschaften, mit denen wir uns oft tief verbunden fühlen und bei denen wir das Gefühl haben, dass sie unsere Seelenverwandten sind.
Denn die Möglichkeit, dass du einen Menschen verlierst, weil du den Mut hast, zu deinen Werten zu stehen, gibt es nicht. Im Gegenteil – es ist der einzige Weg zu erfahren, wer wirklich an deine Seite gehört.

Der heutige 5. Tag der Rauhnächte ist der Freundschaft gewidmet. Wie würde aktuell deine Freundschaftsliste aussehen? Gibt es in deinem Leben Menschen, die, auch wenn du andere Werte vertrittst, an deiner Seite sind? Und bist du es ebenfalls, wenn sie einen anderen Weg gehen als du?
Nutze den Tag heute dafür, deine Freundschaften ein wenig zu beleuchten.

 

Wahre Freundschaft ist immer absichtslos

Auch meine Freundschaften haben sich in den letzten zwei Jahren verändert.
Unstimmigkeiten, die im Unsichtbaren, im Unausgesprochenen, im Unbemerkten oder im nicht wahrhaben wollen schon lange da waren, wurden einfach deutlicher.
Und das darf auch sein. Wir müssen uns nicht mit jedem verbunden fühlen. Es darf auch Trennung geben. Es darf auch Spaltung geben. Es ist wie eine innere Reinigung, wie eine Zurechtrückung von etwas, was schon lange schief war. Und vielleicht war uns das auch tief im Inneren schon lange bewusst, aber wir haben einfach aus Angst heraus noch Kompromisse gemacht.

Immer wenn sich etwas trennt, verbindet sich etwas Neues.
Etwas, was zusammenpasst. Was sich gut anfühlt. Was sich leicht anfühlt. Was uns nährt und gut tut.

Genauso ist es auch mit Beziehungen zu Menschen in dieser, die Wahrheit ans Licht bringenden Zeit. Und manchmal tut die Wahrheit eben auch weh – denn genau aus diesem Grund haben wir sie solange nicht sehen wollen, weil wir uns vor diesem Schmerz schützen wollten.

Eine gute Freundschaft hat nichts mit der Häufigkeit oder Intensität einer Verbindung zu tun, sondern damit, ob du dich in diesem Menschen erkennen kannst. Damit, ob du dich in eurer Begegnung frei und leicht fühlst. Damit, dass du nicht nur deine Schokoladenseite zeigst, sondern auch deine Schattenseiten zutage treten dürfen. Und damit, ob du dich durch diese Freundschaft bereichert fühlst. Wahre Freundschaft ist immer absichtslos und nie berechnend. Sie ist kein Vertrag nach dem Motto „Wie ich dir, so du mir“ und kein Handel, in dem Vor- und Nachteile abgewogen werden.
In Zeiten immer größer werdender Individualisierung, verplanter Zeit und vermeintlicher Unabhängigkeit fällt es vielen Menschen schwer, eine tiefe Freundschaft einzugehen bzw. sich darauf einzulassen. Wir leben heute oft mit dem Gedanken, andere nicht mit uns belästigen zu dürfen, weil jeder selbst genug am Hals hat. Und umgekehrt wollen auch wir oft nicht belästigt werden und nehmen uns keine Zeit, einem anderen wirklich mit dem Herzen zuzuhören.

Und dann ist da noch die Sache mit der Enttäuschung.

Sich auf eine Freundschaft einzulassen, bedeutet, sich verletzlich zu machen, echt und ehrlich zu sein. Viele Menschen sind jetzt von ihren vermeintlichen Freunden enttäuscht worden, die auf einmal andere innere Entwicklungen und Entscheidungen nicht mehr akzeptieren konnten oder verurteilten und wo innere Ängste stärker waren als das Gefühl der Freundschaft. Ent-Täuschungen in Freundschaften, wenn wir sie denn annehmen können und nicht mit ihnen hadern, sind heilsam und die allerbesten Übungsfelder für deine Selbst-Wertschätzung, dein Mitgefühl und deine Fähigkeit, zu vergeben. Nicht mehr mit einer inneren Lüge leben zu müssen, entlastet auf Dauer ungemein. Enttäuschungen sind also ein Geschenk auf vielen Ebenen.

 

Überprüfe die Bänder deiner Freundschaften

Die letzten Tage des alten Jahres schenken dir eine gute Gelegenheit, deine Freundschaften nochmal genauer anzuschauen. Spüre, welche Freundschaft sich wirklich noch gut anfühlt und welche dich eher belastet. Nimm wahr, warum das so ist. Erforsche, welche Gründe es hat, warum eine Freundschaft so ist wie sie ist. Es hat auf jeden Fall auch immer mit dir selbst zu tun. Wenn du aus Mitleid, Angst vor dem Alleinsein oder dem Gefühl, anerkannt oder gebraucht werden zu wollen heraus eine Freundschaft pflegst, wird sie bald zu einer Belastung für dich werden. Keinem Freund oder Freundin ist mit deinem Mitleid gedient.

Einige vermeintliche Freundschaften, die ich für mich beendet habe,  waren bei genauer Hinsicht Verbindungen, in denen es sich auch vorher schon nicht richtig rund angefühlt hat. Dafür sind viele neue Freundschaften entstanden, die auf tiefen, inneren Gemeinsamkeiten beruhen und sich sehr ehrlich und echt anfühlen.

Mache jetzt am Ende des alten Jahres Bilanz und ordne die Bänder deiner Freundschaft neu – ohne Angst, jemanden zu verletzen oder zu verlieren.  Fühle dich frei zu entscheiden, was dich wirklich in einer Freundschaft nährt und was du bereit bist, zu geben.

 

 

Zeremonie zum Klären deiner Freundschaften.

Mit dieser Zeremonie kannst du dir bewusst werden, was dir eine Freundschaft bedeutet, wie du sie weiter gestalten willst und wen du vielleicht loslassen darfst.

Mache dir eine Liste von deinen wichtigsten Freunden und nimm diese Liste heute mit auf deinen Spaziergang in die Natur.
Sammele unterwegs einige kleine Gegenstände wie Steine, kleine Ästchen, Blätter oder Pflanzen.
Suche dir einen geschützten Platz und lege dort ein Bild deiner Freundschaften mit deinen Naturgegenständen.
Lege zuerst einen Gegenstand für dich selbst auf die Erde. Dann schließe die Augen und gehe anhand deiner Liste die Reihe deiner Freunde durch. Verweile bei jedem und spüre achtsam, was dich mit dem- oder derjenigen verbindet. Wie fühlt es sich an – schwer oder leicht, frei oder vielleicht von Schuldgefühlen beladen? Ist diese Freundschaft ein Handel oder ein Geschenk? Erfreut und bereichert sie dich oder ist sie eine Belastung? Und wie möchtest du diese Beziehung weiter leben und gestalten? Sei wahrhaftig und ehrlich in deinen Betrachtungen und mutig in deinen Entscheidungen.

Lege nacheinander für jeden deiner Freunde einen Gegenstand neben dich oder um dich herum, näher oder weiter weg. Einen Stein, einen Zweig, ein Blatt oder ein anderes Pflanzenteil.
Spüre in jede deiner Beziehungen anhand deines Bildes nocheinmal hinein und erfühle, ob du etwas verändern möchtest.
Lege das Muster zuletzt so, dass es sich für dich klar und stimmig anfühlt.

Wenn du möchtest, mache ein Foto deines Bildes und schreibe das, was dich bei deiner Zeremonie bewegt hat, in dein Buch.
Der heutige Tag steht in Verbindung mit dem Monat Mai und das Thema Freundschaft kann dann nochmal ganz präsent für dich werden. Sei gespannt auf die Veränderungen und Entwicklungen, die bis dahin geschehen sind oder noch geschehen werden. Forciere nichts, sondern lass die Dinge von selbst geschehen.

Und nicht zuletzt: Sei du dir selbst die beste Freundin, der beste Freund, den du dir vorstellen kannst. Du bist der oder die Einzige, die wirklich immer zu jeder Zeit für dich dasein kann – liebevoll, achtsam, mitfühlend und alles verzeihend, so wie es in einer Herzensfreundschaft sein darf.

 

Heute schenke ich dir zum Thema Freundschaft ein wunderschönes Lied der Sängerin Eivør Pálsdóttir, die auf den Färöer Inseln im Atlantik lebt und zu dem du dich auch gut leicht und rhythmisch bewegen kannst und wenn du magst, auch mitsingen oder mitsummen kannst.
Eivør Pálsdóttir – Only a friend of mine


In liebevoller Freundschaft – Eva

 

 

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